Rund um den Großen Zschand

Das stürmische Wetter hat mich am Samstag in den hinteren Teil der Sächsischen Schweiz geführt. Hier wurde man am ehesten vom böigen Westwind verschont und es ließ sich angenehm wandern. Zudem wollte ich mir ein Bild vom propagierten Holzeinschlag im Großen Zschand machen. Im Februar wurden Stimmen laut, dass dort in der Kernzone die Harvester anrückten. Und laut offiziellen Angaben der Nationalparkverwaltung war die Zschandstraße ab Zeughaus im Februar auch gesperrt.

Eine Wanderung sollte es auch sein, und aufgrund des dünnen ausmarkierten Wanderwegenetz war die Runde schnell klar:

Zeughaus geschlossen

Zeughaus geschlossen

Parkplatz Neumannmühle – Zeughaus – Roßsteig – Goldsteig – Richterschlüchte – Zschandstraße – Hickelschlüchte – Reitsteig – Zeughaus – zurück. Insgesamt ca. 15 Kilometer.

Zeughaus geschlossen

Den Abschnitt bis zum Zeughaus brauche ich wohl kaum beschreiben. Wer an der Neumannmühle startet läuft öfters hier entlang. Das Zeughaus als Gaststätte ist leider geschlossen. Der Pächter Marc Henkenjohann ist Insolvent. Sehr Schade, denn hier hinten gibt es weit und breit keine andere Einkehrmöglichkeit. Hauptproblem für potenzielle Betreiber: Man kann die Objekte im Nationalpark nur pachten, nicht kaufen. Jeden Cent den man in das Objekt steckt muss der Umsatz wieder einbringen, alles andere macht keinen wirtschaftlichen Sinn. Aus eigener Erfahrung berichtend war das Zeughaus bisher in den Sommermonaten immer gut besucht. Der ARD Ranger-Zweiteiler vom November hat sicherlich noch zusätzlich Aufmerksamkeit auf das Zeughaus-Areal als Hauptdrehort gelegt. Da werden sich diese Saison viele Wanderer ärgern, dass Sie hier leer ausgehen. Eine schnelle Lösung der Gaststättenproblematik ist nicht in Sicht. Diese Saison scheint sich die Lage regelrecht zuzuspitzen. Großer Winterberg dicht, Sendigbaude dicht, Amselfallbaude dicht, Felsenmühle nur noch Pensionsbetrieb. Aber das ist ein eigenes Thema.

Bergpfad Goldsteig

Rechts den Roßsteig steil bergauf. Blick zurück zum majestätischen Teichstein. Vorn erscheinen die „Bösen Wände“, welches als nicht besteigbar gelten. Kurz darauf am steil aufragenden Goldstein weist das grüne Dreieck den Goldsteig als Bergpfad aus. Eine Sondermarkierung im Nationalpark Sächsische Schweiz. Nach Ansicht vieler Wander- und Naturfreunde eine zu selten genutzte Markierung. Denn es gibt gerade in der hinteren Sächsischen Schweiz noch zahlreiche Pfade, welche in der streng reglementierten Kernzone nicht begangen werden dürfen, da unmarkiert.

Goldsteig - schmaler Bergpfad

Goldsteig – schmaler Bergpfad

Der Goldsteig wurde 1886 vom Gebirgsverein für die Sächsisch-Böhmische Schweiz angelegt und schlängelt sich an den Felswänden linksseitig des Großen Zschandes hin. Ich traue es mir gar nicht zu schreiben, aber es war das erste Mal das ich auf diesem Weg unterwegs war! Die Fels- und Waldbilder sind sehr abwechslungsreich. Oft begegnet man alten Forstzeichen an den Felswänden. Talwärts nimmt der Steig die Schlüchte auf, wie Goldloch, Pechschlüchte, Hillenschlüchte. Markante Felsen sind Spitzes Horn, Spitzhübel und Goldsteighorn. Die großen Aussichten fehlen auf dieser Höhe etwas. Trotzdem wird der Weg nie langweilig. Mit jeder Biegung ändert sich das Bild. Durchblickweise erscheint die markante Sommerwand, auch als glatte Wand bezeichnet. Am Goldsteighorn mache ich kurz Rast und genieße den Blick zum Spitzhübel. Laut alten Wanderkarten soll es dort Basalt geben. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob das Riff von oben begehbar ist. Kletterzugänge gibts theoretisch auch. Vielleicht erkunde ich das nach dem Horstschutz mal. Gerade stand man noch an einem hellen Felsriff, erscheint hinter der nächsten Felsbiegung plötzlich wieder düstere Waldeinsamkeit. Ein Seitenarm der Richterschlüchte. Ein weiterer grottiger Felsüberhang. Hinter der nächsten Schlaufe biegt der Goldsteig endlich in die Richterschlüchte ein. Regentröpfeln und Sonnenstrahlen zaubern eine grandiose Waldstimmung. Hier sind sogar noch ein paar Schneereste zu finden. Trotz vierwöchigen Tauwetters. Bemerkenswert sind auch die Eisenplatten, welche so manche Felswand hier schmücken. Unten am Abzweig Zschandstraße steht eine einsame Schutzhütte, die im Jahr 2013 von der Interessengemeinschaft Stiegen- und Wanderfreunde unter Materialbereitstellung des Sachsenforstes vor dem Verfall und Abriss gerettet wurde. Entgegen der Politik des Nationalparks. Die sieht nämlich eine „Minimierung zusätzlicher Infrastruktureinrichtungen für Besucher (z.B. Schutzhütten, Sitzbänke) im Interesse des naturnahen Landschaftscharakters“ vor. [Nationalparkprogramm Punkt 5.3.2.1]

Nun war ich am eigentlichen Ziel meiner heutigen Tour angelangt, auf der Zschandstraße. Hier ist deutlich zu sehen, was im Februar unter Vollsperrung gemacht wurde. Links und rechts des Weges wurden kranke Fichten umgesägt und hangseitig gelegt. Dem Werk des Borkenkäfers hat man damit vorgegriffen. Zu diesem Thema und Wegeabschnitt erfolgt die Tage ein separater Blogbeitrag.

Hickelhöhle und Reitsteig

Hinten stehe ich am offiziellen Ende der Zschandstraße am Abzweig Hickelschlüchte. Gebietskenner wissen, dass hier noch lange nicht Schluss ist. Weiter hinten folgen noch die Schwarzen Schlüchte rechts Richtung Fremdenweg. Und links der Zeichengrund. Nach 700 m käme der Grenzübertritt nach Tschechien. Es wäre ein herrlicher Grenzüberschreitender Wanderweg. Da wir uns aber beiderseits der Grenze in der Kernzone befinden und eine touristische Nutzung seitens der Nationalparkverwaltungen nicht gewünscht wird ist hier offiziell Schluss. Alternativ drohen „Strafzölle“ beim Ranger. Ich führe heute auch nichts „Böses“ im Schilde, und so geht es hinauf über die Hickelschlüchte, markierter Wanderweg.

Hickelhöhle

Hickelhöhle

Nach dem steilen Aufstieg ist die Hickelhöhle erreicht. Eigentlich „nur“ ein gigantischer Felsüberhang. Seines Zeichens einer der größten im Elbsandsteingebirge, von welcher Götzinger 1804 schwärmte: „Unter einer eben so ungeheuern Wand wölbt sie sich so tief hinein und dehnt sich so in die Breite, daß eine halbe Compagnie in ihr Platz hätte.“
Nun geht es auf dem Reitsteig auf etwa gleichbleibender Höhe unter den Thorwalder Wänden hin. Ca. 4 Kilometer geht das so. Auch ein schöner Weg, aber ab der Hälfte trüben die Borkenkäferfichten schon etwas das Bild und Fernsichten fehlen (noch) gänzlich. Im direkten Vergleich mit dem Goldsteig fand ich Ersteren interessanter. Nachdem der Reitsteig unterhalb des Hochhübels auf den großen Hochhübelweg einmündet und Richtung Zeughaus hinabfällt, fiel mir linkerhand noch eine künstliche Kammer im Felsen auf. „Erbaut 1915“ steht dran. Vermutlich eine dieser Pulverkammern?

Leider bin ich erst spät gestartet, daher musste ich die nicht ganz so spannende Strecke Zeughaus-Neumannmühle doppelt laufen, was ich eigentlich bei meinen Touren zu vermeiden suche. Alternativ könnte man Spitzsteinschlüchte – Knorre – Winterstein und ggf. noch den Teichstein einbinden, da man sonst wenig gute Fernblicke hat. Die Goldstein-Aussicht wäre selbstverständlich noch ein lohnender Abstecher gewesen und die Richtergrotte sollte man bei so einer Tour auch unbedingt besuchen. So lässt sich wirklich eine überaus lohnende Genussrunde stricken. Wiederholung garantiert.

Galerie Goldsteig

Galerie Richterschlüchte/Zschand

Galerie Hickelschlüchte/Reitsteig

PS: Wer tatsächlich den Beitrag bis hierher gelesen hat, kann auch gern einen Kommentar hinterlassen. Anregungen, Kritik und nützliche Infos jederzeit gewünscht 🙂

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