Vollsperrung Großer Zschand [UPDATE 19.02.]

Antwort_Stadt_Sebnitz

UPDATE 19.02.2021: Ich habe die Antwort der Stadt Sebnitz erhalten. Es besteht aus reichlich formalen Hinweisen. Auf meine ausführliche Argumentation wird nicht eingegangen. „Eine neue Umleitungsstrecke  für die Wanderer bzw. den Fußgängerverkehr wird erstellt“. Da bin ich mal gespannt, wo sie die Leute noch entlang jagen wollen… Klar ist: Man sieht die Nationalparkverwaltung in der Verantwortung zu handeln.

Eines ist aber erreicht: Man ist wach geworden. Heute fordern sowohl Oberbürgermeister Ruckh, als auch Landrat Geisler in der Sächsischen Zeitung eine schnelle Lösung für den Großen Zschand und die Öffnung für Touristen ab dem 1. April. Dennoch bleibt völlig offen: Was passiert, wenn die NPV das einfach aussitzt? Solange man nichts tut, ist lt. der angeführten Argumentation der Stadt Sebnitz eine Wiedereröffnung nicht zu rechtfertigen.

Eins möchte ich klarstellen: Mein Ziel ist es nicht, dass die den ganzen vorderen Zschand abholzen. Dort stehen auch recht alte Fichten, die brechen nicht von heute auf morgen zusammen, wie in anderen Gebieten. Die Straße ist einfach durch die breite Dimension eine der Letzten, die „unpassierbar“ sein wird. Wenn immer mal gesägt wird, dann gibt es keinerlei Probleme. Es ist einer der wenigen Hauptwege, wo es in absehbarer Zeit noch keinen dringenden Handlungsbedarf gibt! Für den PKW-Verkehr kann er ja gesperrt bleiben, das interessiert doch den Wanderer nicht und freut den Feuersalamander, weil er immer so große Augen bekommt, wenn die Ranger da lang brettern.

Die Spitzsteinschlüchte sind bei einen Sturm mit hoher Wahrscheinlichkeit wirklich im handumdrehen verhauen, weil sie viel schmaler sind. Und außerdem kann man dort überhaupt nicht reagieren, wenn ein Baum umfällt, weil die Abstände viel geringer sind. Komischerweise sieht das jeder Mensch genauso, mit den ich darüber gesprochen habe.Wenn ernsthaft die Meinung besteht, die Zeughausstraße sei an der gesperrten Stelle zu gefährlich, dann soll man bitteschön den gesamten Nationalpark zuschließen! Zum Schutz des Menschen UND zum Schutz der Natur. Also Win-Win…

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Sperrung Großer Zschand Abzweig Spitzsteinschlüchte

Ende vergangener Woche wurde über die Medien die Sperrung der Zeughausstraße im Großen Zschand vermeldet. Auf einen fast 1 Kilometer langen Teilbereich hat die Stadt Sebnitz als ausführende Behörde die Straße für „jeglichen Besucherverkehr“ gesperrt. Es ist der Bereich zwischen Abzweig Spitzsteinschlüchte und Flügel E.

Begründet wird die Sperrung mit der Gefahr herabstürzender Bäume, denn auf den Felsriffen befinden sich abgestorbene Fichten – wie auf einer Fläche von über der Hälfte des gesamten Nationalparks. Die Sperrung gilt vorerst nur bis 31.03.2021. Es wird von vornherein aber klargestellt, dass mit einer länger andauernden Sperrung zu rechnen ist, da eine Gefahrenbeseitigung mit zu hohen Aufwand und zu hohen Kosten verbunden wäre und außerdem die geschützte Fauna und Flora in diesen Bereich den Einsatz von schweren Gerät nicht erlaubt.

Die Umleitung für KFZ und Radfahrer ist über die Felsenmühle/ kleiner Zschand eingerichtet. Auf der Nationalparkseite werden 3 Umleitungen für Wanderer beworben: Spitzsteinschlüchte, Buschmühle/ Flügel E und Flößersteig.

Gesperrte Zeughausstraße

Der Wanderparkplatz Neumannmühle ist einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Touren aus dem Kirnitzschtal heraus und zu normalen Zeiten entsprechend gut besucht. Die Zeughausstraße bietet besonders eingeschränkten Personengruppen ein Naturerlebnis, denn sie ist barrierefrei. Rollstuhlfahrer, ältere Menschen die nicht mehr über Stock und Stein gehen können, aber auch Familien mit Kinderwagen nutzt bisher diesen breiten Weg, der außerdem kaum ansteigt. Die beworbenen Alternativen sind für diese Nutzergruppe schlichtweg nicht relevant.

Gestern habe ich mir selbst ein Bild von der Lage gemacht. Ich bin die gesperrte Strecke abgegangen. Denn es hätte ja sein können, dass durch Schnee und Wind in den vergangenen Wochen wirklich zahlreiche Bäume haben quer liegen lassen. NEIN – nichts dergleichen. Also doch – eine Fichte mit Stammdurchmesser von 10 cm die über den halben Weg lag will ich nicht unterschlagen. Die hätte ich in 30 Sekunden beseitigen können..

Die Gefahren herabstürzender Bäume sind auf der Zeughausstraße nicht größer als in anderen Teilen des Nationalparks. Die Umleitungen bergen ein vielfach höherers Risiko. In 30 Jahren Nationalpark ist diese menschenverachtende Sperrung der tiefste Tiefpunkt. Mit der Dokumentation der sogenannten „Alternativen“ sollte jedem klar sein, dass hier in der Sache etwas falsch läuft. In Teilen der Sächs. Schweiz gibt es tatsächlich unpassierbare Wege, die vorerst gesperrt werden müssen weil der normale Wanderer einfach nicht mehr lang laufen kann. Aber jetzt vorgreifend einen alternativlosen Hauptwanderweg dicht zu machen – entbehrt jeglicher Logik.

Umleitung 1: Der Weg durch die Spitzsteinschlüchte, Begehung am 05.02.2021

Bruchholz

Dieser Pfad durch das enge Tal der Spitzsteinschlüchte ist immer nass und feucht, weil wenig Sonnenlicht hereindringt. Gleich am Einstieg befindet sich eine Steilstufe, welche zu gefährlichen Situationen führen kann. Im weiteren Verlauf der Begehung ist festzustellen, dass dicht an dicht abgestorbene Fichten links und rechts des Pfades stehen. Im oberen Teil des Pfades liegen Fichtenstämme quer, sodass man über sie steigen muss. Zudem sind die Stufen meist vereist und rutschig. Die Begehung dieses Weges birgt ein Vielfaches mehr an Gefahren als die Zeughausstraße. Zudem ist dieses schmale Seitental nicht für den Massentourismus geeignet.

Umleitung 2: Buschmühle, Begehung am 05.02.2021
Von der Nationalparkverwaltung wird die Umgehung über die Buschmühle und den Flügel E beworben. Um vom Parkplatz Neumannmühle zur Buschmühle zu gelangen, muss man auf einen 275 m langen Abschnitt die Kirnitzschtalstraße entlang laufen. Gerade in diesem Bereich ist die Straße ziemlich unübersichtlich und an Wochenenden herrscht ein reger Straßenverkehr. Bei der Buschmühle führt dann ein steiler Weg über grobes Sandsteinpflaster am Hang hinauf. In diesem Bereich ist es im

Steiler Aufstieg Buschmühle

Winter meist extrem glatt. Vor allem hinunter ist es selbst für Wanderer die gut zu Fuß sind gefährlich. Wenn der Schnee überfriert oder eine größere Anzahl Wanderer diesen platt getrampelt haben kann es sogar zur völligen Unzugänglichkeit dieses Weges kommen. Im weiteren Verlauf dieses Weges ist festzustellen, dass ebenfalls links und rechts tote Fichten stehen in keinem geringeren Umfang als im Bereich der Zeughausstraße.

Umleitung 3: Flößersteig
Hier gelten die gleichen Argumente, es liegen Bäume quer und im Winter bei Eis und Schnee ist dieser Weg nicht einfach zu begehen. Die Merkmale dieses Weges haben nichts mit der Zeughausstraße gemein und führt auch in eine andere Richtung.

Mit dieser willkürlichen Sperrung ist ein Punkt erreicht, der für Wanderer nicht mehr hinnehmbar ist. Deshalb lege ich schriftlich Widerspruch gegen diese verkehrsrechtliche Anordnung bei der Stadt Sebnitz ein und werde vor weiteren (juristischen) Schritten nicht zurückschrecken. Man bringt absichtlich Menschen in Gefahr. Viele werden sowieso die Sperrung ignorieren, wie an den zahlreichen Fußspuren zu erkennen war. Aber die Glaubhaftigkeit bzgl. Wegesperrungen ist seitens der Nationalparkverwaltung spätestens jetzt nicht mehr gegeben.

Ich habe sachlich, objektiv und nachvollziehbar dargestellt, dass diese Sperrung nicht hinnehmbar ist. Meine Hoffnung besteht darin, dass sich nun auch mal Wander- und Bergsportverbände, Wegewarte, Anwohner und andere Wander- und Naturfreunde zu Wort melden und solche vollendete Tatsachen nicht einfach nur mit einem Kopfschütteln hingenommen werden – auch wenn wir das in den vergangenen Monaten gewohnt sind.

Zum Hintergrund dieser irrwitzigen Aktion noch folgendes: Im gesamten Nationalpark wird ein Netz von Rettungswegen freigeschnitten um im Notfall Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr oder Krankenwagen durchfahrt zu gewähren, ohne dass diese sich stundenlagen Straßen freischneiden müssen. Breite Streifen links und recht der Wege, wo tote Fichten vorsorglich gefällt werden sind die Folge. Man sieht es schon am Flügel E, aber auch im hinteren Großen Zschand zwischen Zeughaus und Hickelschlüchte. Wahrscheinlich wollte die NPV diese harten Verkehrssicherungsmaßnahmen den vorderen Gr. Zschand ersparen, was durchaus verständlich ist. Aber es muss doch ein Unterschied zwischen der Nutzung als Anliegerstraße und Fußweg möglich sein. Bei dem Antrag auf verkehrsrechtliche Anordnung hat man jedenfalls die Möglichkeit, die Nutzung anzugeben und damit Fußgänger aus der Sperrung auszuklammern. Es gilt zu klären, warum das nicht erfolgt ist.

2 Kommentare

  1. Ich würde mal vermuten, dass außer der Zschandstraße die Stadt Sebnitz keine Befugnisse hat – deswegen wurde nur diese gesperrt. Der Rest dürfte Sachsenforst/NPV obliegen, insofern hat die Stadt einfach die Problematik auf das Land abgewälzt.
    Prinzipiell gebe ich Deiner Einschätzung natürlich recht – im Winter sind weder Spitzsteinschlüchte noch Aufstieg Buschmühle ein Zuckerschlecken.

  2. Meines Erachtens hat ein Weg durch die sog. Sperrung auch für Fußgänger seine Eigenschaft als Weg verloren und ist wieder freie Natur. Und freie Natur darf jeder frei betreten, natürlich auf eigenes Risiko. Die zugesicherte Eigenschaft „Weg“ ist zurück genommen. Bei Fahrzeugen nennt man es Sperrung. Diesen Aspekt sehe ich nie in Diskussionen einbezogen.

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