Endstation Totholzschlüchte

Richterschlüchte

In den vergangenen Wochen habe ich mir eine ganze Reihe dieser „unpassierbaren Wege“ angesehen. An diesen Sonntag waren die Schlüchte im Großen Zschand an der Reihe: Richterschlüchte und Weberschlüchte. Ich wollte diese Wege mit den beiden Grotten noch einmal bewusst komplett begehen, bis zeitnah wirklich kein Durchkommen mehr ist. Vielleicht für viele Jahre hin. Also stiefelte ich in Schmilka los über den Bergsteig hinauf auf den Großen Winterberg. An manchen Stellen säumen ebenfalls tote Fichten den Wegesrand. Aber glücklicherweise besteht der Gr. Winterberg überwiegend aus einem Buchenwald, sodass hier in Zukunft keine größeren Einschränkungen zu erwarten sind.

Läuft man über die Kuppe drüber, bis zum Fremdenweg Richtung Katzenstein, dann finden sich auch Passagen die bruchgefährdet sind. Aber dank des flachen Terrains kommt man gut drum herum. Am Abzweig Richterschlüchte steht eines dieser nagelneuen Schilder, welche Wanderer auf die Gefahr hinweisen. Der Waldabschnitt bis zum Krinitzgrab wurde bereits vor Jahren durch Borkenkäferfraß beschädigt. Hier hatte die Nationalparkverwaltung vorher eingegriffen und die Bäume vorsichtshalber gefällt. Auch die Richterschlüchte selbst waren bis zur Richtergrotte völlig problemlos zu begehen. Im oberen Teil der Schlüchte stehen tatsächlich noch grüne Fichten..

Richterschlüchte – oben hui, unten pfui

Am Abzweig Goldsteig dann Flatterband und erneut das Schild. Der weitere Weg ging immer noch ganz gut. Nach und nach wurden die Bäume toter und das Schrittmaß stockender. Und in den unteren 500 Metern war dann so gut wie gar kein Vorankommen mehr. Die umgefallenen Fichten wurden immer mehr, teils lagen sie übereinander auf dem Weg. Da mein Ziel der hintere Zschand war, habe ich mich durchgekämpft. Aber alle Wanderer die von unten kommen, sehen selbst, dass der Weg in diesem Bereich völlig unbegehbar ist. Bei der Begehung fiel aber positiv auf, dass der schlimmste Verbruch und die abgestorbenen Bäume sich auf den unteren Teil der Richterschlüchte begrenzen und dieser mit größeren Forstmaschinen über die Zschandstraße gut herankommt. Als Verbindungsweg Zeughaus-Schmilka ist er allein aus Gründen der Besucherlenkung sehr wichtig (und für die NPV wertvoll) und wird sicher wieder freigeräumt – irgendwann.

Weberschlüchte – unbegehbar

Mein nächstes Ziel waren die Weberschlüchte. Am Eingang derselben auch wieder Flatterband und das Schildchen. Schon am Anfang liegen immer wieder Bäume quer. Ich nehme das an manchen Stellen in Kauf, mal über oder unter Bäume zu klettern. Aber immerhin ziehen sich die Weberschlüchte ca. 1,7 Km bis zur Webergrotte. Und wenn aller 20 Meter ein Baum quer liegt und man den ganzen Weg ja auch wieder zurücklaufen muss. Dann muss man sich eingestehen: Keine Chance. So sehr ich diesen schönen Weg noch einmal bewusst bis hinter laufen wollte. Es sah nicht mehr möglich aus. Früher war es mal ein Hauptwanderweg, der bei der Webergrotte über Treppen und Leitern hinauf zum Fremdenweg und dann bequem in wenigen Minuten zum Prebischtor führte. Nun ist wohl der ganze Weg Geschichte. Er war nur als Bergpfad markiert und dürfte bei der irgendwann mal stattfindenden Beräumung nur eine sehr geringe Priorität haben.

Kletterzugänge im Zschand fast alle blockiert

Da ich noch etwas Zeit hatte, bin ich den Zschand weiter hinter gegangen, um mir die anderen Zugänge anzusehen. Der nächste Abzweig rechterhand ist der Kletterzugang durch Sommersloch hinauf zur Sommerwand. In das Tal kam man mit Mühe noch hinein. Der weitere Weg rechts am Hang hinauf war überhaupt nicht mehr zu sehen. In den vergangenen Jahren bin ich hier mehrfach auf- und abgestiegen. Jetzt machen umgestürzte Fichten einen Aufstieg unmöglich. Beim Fuchsloch und in den Sandschlüchten versammeln sich am Einstieg noch die von der letzten Abholzaktion gefällten Fichten, und der Einstieg war nicht mehr erkennbar. Gleiches gilt für das Sendengründel. Da diese Pfade eh schon recht beschwerlich und steil waren, ist es jetzt nicht besser geworden. Was also die gesamte Gipfelkette Seehorn, Sommerwand, Bergfreundschaftsstein etc. angeht, sehe ich die Erreichbarkeit nicht mehr als gegeben an. Zumindest bedarf es einer größeren Expedition, wer auf Teufel komm raus dahin will..

Was die Zugänge Richtung Reitsteig betrifft, fiel mir bei den Löfflerschlüchten ein Sperrschild ins Auge. Obwohl diese von unten noch ziemlich gut begehbar aussahen, sind sie wohl offiziell gesperrt. Noch könnte man hier hinaufsteigen und bei den Hickelschlüchten hinab, denn dieser Bereich des Reitsteigs war bei der letzten Begehung vor 2 Monaten noch ganz gut machbar.

Roßsteig und Bergpfad gehackter Weg

Nachdem ich das alles erkundet hatte ging ich zurück zum Zeughaus. Und den Roßsteig hinauf zum Goldstein. Selbst auf dem zweifach markierten Roßsteig (Malerweg) gab es an einer Stelle eine Wegsperre. Die Leute mussten durch und drüber klettern, oder einen größeren Bogen herum im Wald Laufen. Man hat an einigen Stellen auch schon ordentlich freisägen müssen. Am Abzweig Goldsteig trauriges Bild. Der Einstieg ist ziemlich mit Ästen verhauen, die Bergpfadmarkierung blass. In welchen Zustand der Goldsteig ist, werde ich mir in den nächsten Wochen ansehen. Nach genussvoller Aussicht auf dem Goldstein ging es wenig später rechts ab zum Bergpfad gehackten Weg. Positiv: Die Bergfpadmarkierungen sahen allesamt neu aus. Aber schon am Abzweig steht ebenfalls das Lebensgefahr-Schild. Im gesamten Bereich des gehackten Weges/Bärenfangwände/Bärenhorn stehen tote Fichten in unterschiedlichen Zerfallstadien. Auch hier wird spätestens in einem Jahr kein Durchkommen mehr sein. Am Abzweig Bärenfangwände lagen bereits mehrere Bäume quer. Der Weg wird neuerdings auch als unpassierbar gelistet. Hintergründel und die Ecke um den kleinen Kuhstall herum sahen noch gut begehbar aus.

Zum Abschluss des Tages durfte ich noch einen ‚bomfortionösen‘ Sonnenuntergang über dem Schmilkaer Kessel erleben.

Resumee dieses Tages: Stellenweise setzt der Verfall des Waldes extrem schnell ein. Mein Vorhaben, noch einmal die Webergrotte zu besuchen war gescheitert. Weite Teile des großen und kleinen Zschands drohen über langen Zeitraum unzugänglich zu werden. Man wird es wohl Wildnis nennen müssen. Alternative Wege, um zumindest die Gipfel oder Felsbänder zu erreichen, fallen mir kaum ein. Ich will demnächst nochmal den Versuch über Richtergrotte/Schwarze Zinne/Jortan starten, ob man irgendwie die Weberschlüchte queren kann und zum Auerhahnsteig kommt. Man bewegt sich dort zum großen Teil am Felsfuß entlang. Aber große Hoffnung auf ein Durchkommen mache ich mir da auch nicht…

5 Kommentare

  1. Danke für Deine Mühen – sieht ja echt gruselig aus und macht wenig Hoffnung.

  2. Habe selbst in der Nähe vom Blauen Horn letztes Jahr noch an einen rießiegen Felsüberhang übernachtet von dort aus den Auerhahnsteig genutzt.Alles sehr traurig die Bilder zu sehen.

  3. Peter Zimmermann

    Wirklich ein großes Dankeschön für Deine Berichte und da liegt es wohl an uns Ameisen, dieses Kulturgut zu erhalten, wie recht Sven doch hat, ganz ohne Hintersinn. Sei es mit den Füßen, mit den Händen oder eben über die Öffentlichkeit Sonst behält der Freistaat mit seiner Nationalparkverwaltung recht.

  4. Danke dir für deinen Bericht. Betreff Webergrotte, wenn du noch einen Versuch starten willst, eine Idee: wieder über den Gr. Winterberg, danach rechts den verbotenen Fremdenweg bzw. Grenzweg bis zum Jortan und dort runter bis zur Weberschlüchte, auf der Strecke siehts auf der Satellitenkarte noch relativ grün aus.

    • Danke für den Tipp, ich werde auf jeden Fall demnächst noch einen Versuch da hinten starten. Hab mir schon gedacht, wenn man oben entlang geht – also Fremdenweg und Auerhahnsteig – dann kommt man noch am ehesten voran. Erstmal wollte ich es noch über die „legalen“ Varianten versuchen, was für die breite Masse an Wanderern/Kletterern eher in Frage kommt. Die „Alternativen“ Wege ÜBER dem Fichtenwald werden sowieso beliebter denn je.. siehe Reitsteig/TWG. Und in den Kategorien: „erlaubt, verboten, markiert, unmarkiert“ brauch man in den nächsten Jahren eh nicht mehr zu denken.

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