Weitere „Unpassierbare Wege“; Openstreetmap gehackt

Kirnitzschtal 2,5 Km „unpassierbar“

Beinahe täglich gibt es neue Entwicklungen im Nationalpark. Klar, es fallen Bäume um. Der Schnee taut auch im Kirnitzschtal langsam weg. Und die Ranger fliegen aus. Und entdecken weitere unpassierbare Wege. Jetzt ist sogar die Kirnitzschtalstraße wegen ein paar querliegenden Bäumen als unpassierbar markiert. Ende Februar lagen in dem Abschnitt an 3-4 Stellen einzelne Bäume unten. An den Hängen oberhalb der Straße steht freilich viel Totholz. Einfach ein Schild hinstellen und keine Unterhaltungsarbeiten mehr machen? Vielleicht werden die Wege einfach nur vorsichtshalber so gekennzeichnet. Ganz nebenbei gibt es damit auch keine durchgängige Radroute mehr im Nationalpark.

32 Kilometer unpassierbare/gesperrte Wanderwege

Jetzt sind jedenfalls weitere 6,5 Kilometer hinzugekommen. Dafür sind die Weberschlüchte offensichtlich wieder frei. Zumindest sind sie auf der neuen Karte nicht mehr als unpassierbar gekennzeichnet. Nein, da entlang laufen kann man sicher nicht. Aber die NPV hat entdeckt, dass Bergpfade wohl nicht zum markierten Wegenetz zählen und „nur“ den Status gleich Kletterzugänge haben. Wo generell keine Instandhaltung vorausgesetzt werden muss. Da spart man sich ein paar unpassierbare Kilometer.

Neues Schild

Nun sind es real inkl. Bergpfade insgesamt 32 Kilometer. Rabensteinweg, Hermannseck und Hohweg sind ebenfalls hinzugekommen. Eigentlich fehlt nur noch die Kahnfahrt – also das Kirnitzschtal in dem Bereich und die Wege um den Königsplatz. Dann bleibt um Hinterhermsdorf nicht mehr viel übrig. Vielleicht sollte man gleich am Ortseingangsschild von Hinterhermsdorf darauf hinweisen, dass Wanderungen im Elbsandsteingebirge vorübergehend nicht mehr möglich sind.

Openstreetmap gehackt – digitales Kartenmaterial für die hintere Sächsische Schweiz unbrauchbar

Der am häufigsten verwendete Onlinekartendienst mit den meisten Nutzern wurde vor ein paar Wochen von der Digitalbeauftragten aus der Nationalparkverwaltung gehackt. Es stecken nur gute Absichten dahinter, man will den Leuten einfach die Entscheidung abnehmen, diese ganzen unpassierbaren Wege gar nicht erst in die Routenplaung aufzunehmen. Klar. Bei den IG Stiegenfreunden auf www.sandsteinwandern.de gab es zurecht einen großen Aufschrei, auf den ersten Blick seien die Wege herausgelöscht. In der Diskussion des Openstreetmap-Forums gab es dann eine Stellungnahme des Users, also der digitalen Rangerin. Die Wege sind markiert als „under construction“. Jetzt sind wir also wieder in dem Zeitalter angekommen, wo das nicht mehr den Usern überlassen wird, die Datenbank zu pflegen. Sondern diese Arbeit von staatlicher Seite übernommen wird. Wie in den guten alten Zeiten.

Wenn man die Ansicht „mapnik“ aktiviert, sieht man die vorübergehend deaktivierten Wege noch. Aber ich bin der Meinung, die meisten Leute nutzen die Ansicht „OSM deutscher Stil“, und dort fehlen alle diese Wege. Andere Kartendienste wie Komoot oder Mapy.cz greifen ebenfalls auf die OSM-Datenbank zurück und stellen die fehlenden Wege anderweitig dar.

Der Knackpunkt ist: Die ganzen unmarkierten Wege und Kletterzugänge im Zschand und Hinterhermsdorfer Gebiet bleiben ja trotzdem drin. Haben nun aber teilweise keinen Ein- und Ausgang mehr. Das stellt den ganzen Sinn und Zweck des Kartendienstes in Frage und letztlich ist OSM damit für viele Menschen unbrauchbar. Das so ein freier Kartenanbieter wie Openstreetmap das einfach mit sich machen lässt, finde ich traurig. Und das in einem der am stärksten frequentierten Wandergebieten Deutschlands!

Damit leistet man einen aktiven Anteil daran, dass sich nach dem Start der Tourismussaison Wanderer reihenweise verirren. Für viele Besucher ist das digitale Kartenmaterial mittlerweile Hauptquelle. Auch andere Ortungsgeräte greifen darauf zurück. Wenn dann eine große Forststraße wie die Lindigtstraße plötzlich verschwindet, dann führt zu Problemen. Und man brauch sich nicht wundern, wenn im Sommer vermehrt Menschen Hilfe von der Bergwacht benötigen oder gar einen Hubschraubereinsatz auslösen. Ich treffe selbst oft genug Leute die einfach so loslaufen, ohne sich groß zu informieren und maximal irgendeinen Online-Kartendienst nutzen. Ist ja auch ok, denn das Gelände war gut markiert. 2021 läuft man aber nur noch von einem Schild „Achtung Lebensgefahr“ zum nächsten Schild. Und dazwischen stehen Schilder „Kernzone – Betreten nur auf dem im Gelände markierten Wegen erlaubt“. An den Wegweisern ist das wiederum nicht ersichtlich. Und plötzlich steht man mitten in der Wildnis.

Passend dazu gibt es von Rolf Böhm eine interessante Vorausschau in die nächsten 270 Jahre Nationalpark. Ganz großes Kino!

http://www.boehmwanderkarten.de/natura/is_natura_300jnlp.html

Und hier die aktuelle Übersicht an „unpassierbaren“ und „gesperrten“ Wegen, entsprechend Informationen der Nationalparkverwaltung aus dem Online-Bereich

 

2 Kommentare

  1. Bei Mapy.cz ist jetzt auch der Thorwalder Gratweg weg, vor 14 Tagen war er noch da. Die seitlichen Schlüchtewege enden oben alle im Nichts. Sogar der Reitsteig ist weg. Der Auerhahnsteig ist aber noch da. Wie lange noch?

    • Erstaunlich, weil bei OSM ist der TWG noch drin. Und ich dachte in Deutschland greift mapy auf OSM zurück. Da passiert auch schon wieder irgendetwas im Hintergrund.
      Aber dann noch so dreist zu sein, und zu behaupten, es wäre keine Zensur.. Tja die Quittung werden sie bekommen. Wir finden uns auch ohne GPS dort zurecht, aber andere werden sicher umherirren.

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