Lilienstein – Sonnenuntergang und Besucherlenkung

Eine Feierabendtour führte mich diese Woche auf den bekanntesten Tafelberg der Sächsischen Schweiz. Trotz wunderbaren Wetters waren am Abend nur wenige Besucher anzutreffen und ich konnte ganz in Ruhe den Sonnenuntergang auf der Westaussicht genießen. Beim Rundgang auf dem Plateu fielen mir die „schönen“ neuen Holzgeländer auf, welche die Nationalparkverwaltung derzeit durch eine Fachfirma aufstellen lässt.

Aber das schönste vorweg: Es war wirklich eine traumhafte Abendstimmung da oben!

Nun zu den weniger erfreulichen: Die neuen Besucherlenkungsgeländer. Ziel dieser Bauwerke ist es, die Besucherströme in ordnungsgemäße Bahnen zu lenken. Das wirft schon die Frage auf, ob das einschlagen von massenweise Metallbolzen in den Boden naturverträglicher ist, als 2-3 Trampelpfade durch das Heidekraut.

Ich möchte das gar nicht selbst kommentieren. Die Meinungsbildung sei jedem Besucher selbst überlassen. Kürzlich gab es dazu eine Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung. Da macht sich Herr Zimmermann sorgen um den „Wald auf dem Lilienstein“. „Individuelle Rastplätze auf früher unberührten Felskuppen“…

„Früher“ ist ein dehnbarer Begriff. Vor 50 Jahren? Vor 100 Jahren?

Sicher, „früher“ war alles besser… vor 1000 Jahren gab es da oben eine recht ungestörte Natur. Ohne Gasthaus. Ohne Tourismus. Vielleicht kommen wir irgendwann mal wieder dort hin, dass der Berg für Eidechsen und Wanderfalken reserviert bleibt.

Sollte Herr Z. das „früher“ vor 100 Jahren meinen, dann liegt er falsch. Dort wo u.a. die neuen Holzgeländer stehen, führte am Riff die Drachenschlucht spektakulär am Felsen entlang. Auch gegenüber vom Südaufstieg gab es „früher“ mal Befestigungen, wo jetzt nur noch ein altes Geländer übrig ist.

Keine Frage, an der ein oder anderen Stelle macht Besucherlenkung im Elbsandsteingebirge Sinn und Holzgeländer können hilfreich sein, z.B. an Aufstiegen. Ob das Liliensteinplateu dazugehört ist fraglich.

Und hier, verehrtes Publikum, die Original-Pressemitteilung mit Bilduntertitel für Sehschwache:
(Quelle: https://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/aktuelles/news/lilienstein-wird-fuer-besucheransturm-fit-gemacht/)

21.05.2021: Geländer und neue Stufen sichern Panoramablicke und schützenswerte Vegetation

Besucher des Liliensteins können den einmaligen Ausblick jetzt wieder voll genießen.

Nach der Instandsetzung des Südaufstieges im vergangenen Jahr sanierte die Nationalparkverwaltung jetzt auch zahlreiche Stufen am Nordaufstieg. Der Regen im Frühjahr führte zu Ausspülungen, die durch die Stufen und neuen Abflüsse nun verhindert werden. Gleichzeitig wird der Aufstieg für Besucher angenehmer.

Auch ein neues Holz-Geländer wurde angebracht. Das schafft nicht nur Halt und Orientierung für die Besucher, sondern schützt auch die sensible und wertvolle Natur auf dem Lilienstein.

Seit einiger Zeit schon meldeten Stammgäste und Liebhaber des Liliensteinplateaus den bedrohlichen Rückgang der Vegetation auf dem „Symbolberg“ des Nationalparks.

Unbedachte Abkürzungen abseits der Wege und individuelle Rastplätze auf früher unberührten Felskuppen führten zu einem großen Vegetationsverlust.

Der Bereich der Felskuppe wurde dadurch nicht nur unansehnlicher, es verschwanden auch Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Nationalparkleiter Ulf Zimmermann: „Wir möchten den Besuchern ein einmaliges Natur- und Erholungserlebnis bieten und die Natur schützen. Mit dem neuen Geländer können Besucher die Aussicht und die Natur genießen und der Zustand des Waldes auf dem Lilienstein sich gleichzeitig wieder regenerieren.“

Das Holz-Geländer wurde durch eine erfahrene Fachfirma aus der Nationalparkregion gebaut. Die Stufen und Wasserableitungen haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung saniert. Im Schnitt müssen die Steiganlagen aus Holz alle sieben Jahre erneuert werden.

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