Vom Kaiser freigesägt!

Es geht voran im Nationalpark! Die Nationalparkverwaltung hat in den vergangenen Wochen den Schreitbagger „Kaiser S12“ getestet und kommt damit einer Forderung des Sächsischen Bergsteigerbundes nach. Mit dieser speziellen Forstmaschine wurden die Richterschlüchte, Hochhübelweg, Raubsteinschlüchte und der Roßsteig komplett freigesägt.

Schreitbagger Kaiser S12 Quelle: Nationalparkverwaltung

Es wurden zwar lediglich die Bäume auf Wegesbreite beseitigt, welche umgebrochen waren. Aber damit ist akut schon sehr viel geholfen. Ich habe mir im Zschand gestern selbst ein Bild davon gemacht. Richterschlüchte und Raubsteinschlüchte waren wieder gut begehbar. Und die Spuren dieser kompakten Forstmaschine waren verhältnismäßig gering. Es war lt. Pressmitteilung der NPV ein zweiwöchiger Testlauf. Danach soll entschieden werden, ob diese Maschine weiter zum Einsatz kommt. Angesichts der Mengen an Totholz wäre es ein großes Plus, wenn der Sachsenforst sich so eine Forstmaschine anschaffen darf. Einsatzmöglichkeiten dürfte es für die nächsten Jahrzehnte genug geben, sodass diese Investition einmal gut angelegte Steuergelder sein könnten.

Sperrung Zeughausstraße unverändert

Meine kleine Runde startete ich Mittwochnachmittag am Parkplatz Neumannmühle. Der Große Zschand bis Abzweig Flügel E ist noch immer voll gesperrt. Jedes Wort darüber ist eigentlich Zeitverschwendung. Wer auf diesen Wegabschnitt entlang läuft, darf selbst vergleichen, ob hier eine höhere Gefährdung als im restlichen Borkenkäferwald herrscht. Nun wurde die Straße leider auch durch die Unwetter am 17.07. in Mitleidenschaft gezogen und unterspült, sodass eine Befahrung mit Fahrzeugen an der ein oder anderen Stelle nun auch nicht mehr sicher wäre.

Abgesehen davon ist an einer Stelle noch eine kleine Mure abgegangen. Und sage und schreibe zwei Bäume liegen tatsächlich quer. Fichten? Nein. Laubbäume. Die toten Fichten stehen noch ziemlich genauso da, wie Anfang des Jahres. Insgsamt ist die Zeughausstraße unverändert einer der sichersten und mühelosesten Wege der hinteren Sächsischen Schweiz.

Wie im Film

Als ich dann beim Zeughaus vorbeikam, gab es etwas Trubel. Das allseits beliebte Filmcrew von der jährlichen Ranger-soap stand herum und es waren die Worte zu vernehmen: „Da kommt einer mit der Kamera, wir müssen weiträumiger absperren.“ Am Forsthaus wurde gerade ein Take gedreht und ich wurde für ein paar Sekunden angehalten, meine Fortbewegung zu unterlassen, da die Mikros ganz sensibel seien und der Trittschall meines forschen Wanderschritts keinen Eingang in das nächste ARD-Abendprogramm finden sollte. Paradies Heimat.

Hochhübelweg, Richterschlüchte, Raubsteinschlüchte – vom Kaiser freigesägt

Richterschlüchte frei

Mein flüchtiger Blick galt zuerst dem Hochhübelweg. Alle querliegenden Bäume wurden beseitigt. Das sieht schon einmal gut aus. Dann ging es in die Richterschlüchte. Und hier ist der Vergleich zu meiner letzten Begehung im März dieses Jahres ein Unterschied wie Tag und Nacht. Im unteren Bereich waren ja bereits ein erheblicher Teil der Totfichten umgebrochen und ein durchkommen nahezu unmöglich. Jetzt wurde der Weg vom „Kaiser S12“ wunderbar aufgesägt, sodass die Richterschlüchte derzeit wieder durchgängig gut begehbar sind. Ein hoch auf den Kaiser! Freilich stehen links und rechts des Weges unverändert ein paar sturzbereite Fichten herum und bei Sturm sollte man vielleicht von einer Begehung absehen. Aber zumindest für einen gewissen Zeitraum ist das durchkommen gesichert. Das aufgearbeitete Holz bleibt auch am Wegesrand liegen. Das sieht alles nicht so schön aus, aber der Zweck heiligt die Mittel. Im oberen Teil hat das Juli-Unwetter etwas Erosion erzeugt und den alten Holzbohlenbelag etwas freigespült. Aber nix dramatisches.

Die Raubsteinschlüchte standen noch auf meinem Programm und so lief ich unter Nutzung einiger Schleichwege vom Goldsteig über den Roßsteig zum gehackten Weg und das Mariengründel hinunter (betreffende Abschnitte noch gut begehbar, trotz Totwald).

Auch hier hat sich der Kaiser ausgetobt und das Totholz weggeschnorpst. Wunderbare Sache, der Zugangsweg zum Winterstein ist wieder problemlos begehbar.

Nach langem hin und her – endlich geht es los!

Es ist wirklich positiv hervorzuheben, dass die Nationalparkverwaltung seit der vergangenen Sitzung der AG Wege einen konstruktiven Kurs eingeschlagen hat. Der Stufenplan des SBB soll im Großen und Ganzen umgesetzt werden. Für 9 Wege wurde eine naturschutzrechtliche Befreiung in der Landesdirektion beantragt, um im Herbst umfängliche Maßnahmen an den Wegen durchzuführen (Bereich Schrammsteine, Kleiner Zschand, Wildenstein)

Man kann schon von einem kompletten Kurswechsel sprechen. Vor wenigen Monaten wurde von der NPV noch die Strategie des Abwartens ausgegeben, bis alle toten Bäume von allein umgefallen sind. Diese destruktive Herangehensweise führte letztlich dazu, alle möglichen Interessengruppen gegen sich aufzubringen. Vom Tourismusverband, Bergsteigerbund, über Lokalpolitiker und Bürgermeister bis zum Landrat. Sodass die Beteiligten keinen anderen Rat wussten, aufgrund der katastrophalen Zustände im Nationalpark einen ungewöhnlich scharfen Brandbrief an Ministerpräsidenten Kretschmer zu senden, nachdem zuvor ein Dialog mit dem zuständigen (grünen) Minister Günther ins Leere lief. Der MP kam tatsächlich – und sagte den Beteiligten ein rasches Handeln zu.

Scheinbar ist sich nun auch die Nationalparkverwaltung dem ernst der Lage bewusst und das auch für diese kleine Gebietsverwaltung viel auf dem Spiel steht. Ich meine nicht nur die Gefährdung der Wanderer oder den Verlust eines der wichtigsten Wandergebiete Deutschlands. Sondern die Gefahr, den Rückhalt der Menschen und Politik vor Ort komplett zu verlieren. Denn in Gemeinderatssitzungen wurde der Nationalparkstatus bereits in Frage gestellt. Wenn dieses Nationalparkgebilde nur noch Nachteile schafft und vor Ort nicht mehr mitgetragen wird, kann es mal ganz schnell gehen… und eine Nationalparkverwaltung ohne Nationalpark brauch niemand.

Jedenfalls redet man nun scheinbar wieder vernünftig und konstruktiv miteinander. Aufgrund der Verschlossenheit des neuen Leiters der NPV und mehrerer absurder Pressemitteilungen im Frühjahr war ich zugegeben anfangs etwas skeptisch über die vehementen Forderungen des SBB im vorgelegten Stufenplan. Letztlich ist es in erster Linie der beharrlichen Arbeitsweise von Dr. Peter Rölke zu verdanken, dass es jetzt vorangeht. Und weite Teile der rechtselbischen Sächsischen Schweiz in den nächsten Jahren keine unzugängliche Totholzwüste bleiben.

Protokoll AG Wege vom 29. Juni, wer es noch nicht kennt (liest sich ganz vernünftig)

https://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/wp-content/uploads/2021/06/AG_45.pdf

Hier noch weitere Fotos meiner Begehung vom 18.08.2021

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