Im Böhmischen Nebel

Satbild CZ

Im Winterhalbjahr passiert es immer wieder: Die gesamte Tschechische Republik verschwindet unter einen riesigen Nebelteppich. In der kalten Jahreszeit kühlt das Böhmische Becken bei einer Hochdruckwetterlage schnell aus. Nachts herrschen tiefe Temperaturen und es bildet sich ein riesiges Kaltluftmeer. Der Tagesgang ist niedriger und die Sonne hat weniger Kraft. Die bodennahe Luftmasse wird nicht mehr durchmischt. Meteorologen sprechen von einer Inversionswetterlage, wenn es am Boden kälter ist als in der Höhe. Die Kaltluftschicht liegt irgendwo zwischen 500 m und 1000 m. Darüber ist die Luft deutlich wärmer und meist herrlichster Sonnenschein.

Auch diese Tage ist das der Fall. Heute wollte ich die Gunst der Stunde nutzen und mir das Treiben von oben ansehen. Vom Dach des Osterzgebirges: dem Wieselstein. Leider hab ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Es war für mich nur deftigste Nebelsuppe im Angebot. Und es hätte noch ein ganz paar Leitern benötigt um den Wanderer über dem Nebelmeer abbilden zu können. Stattdessen fand ich einen Hauch von Winter im Osterzgebirge.

Unter dem Nebel in Usti waren heute nur 2°C. Der Fichtelberg hingegen mit 11,5 °C. Zinnwald im Nebel sogar Dauerfrost um die -0,5°C. In dieser feuchtkalten Nebelsuppe war ich heute unterwegs. Wobei der Raureif ein wunderschöner Nebeneffekt ist. Folgend ein paar Impressionen von heute:

 

Auch wenn dieses Phänomen im Winterhalbjahr regelmäßig auftritt… es ist im Detail schwierig vorherzusagen und beeinflusst doch das Wetter in der Sächsischen Schweiz, im Elbtal, im Grenzgebiet und Ostsachsen.

Nebelmeer mit Milesovka 2012

Die Frage ist: Wie dick ist die Kaltluftschicht, also wie hoch liegt die Nebelobergrenze? Ist sie nur 600-700 m, dann bleibt der Nebel scharf an den Gebirgsrändern hängen. Die höchsten Berge des böhmischen Mittelgebirges ragen aus dem Nebel empor. Und von schönen Aussichtspunkten am Osterzgebirgskamm (z.B. Mückentürmchen, Stürmer, Stropnik, Wieselstein) bietet sich ein sensationeller Ausblick auf das Nebelmeer, wie z.B. am 20.10.2012.

Heute lag die Nebelgrenze leider weit oben, sodass ich selbst am höchsten Punkt des Osterzgebirges nicht hoch genug war. Ein Ziel ist es, bei so einer Wetterlage mal auf dem Milesovka zu stehen. Aber da muss eben vieles zusammenkommen. Heute musste ich selbst dazulernen, dass auch 950m keine Garantie für Sonnenschein sind. Ein paar Meter hinterm Kamm auf deutscher Seite schien natürlich die Sonne, sodass ich auf der Rückfahrt noch einen Stopp im milden Müglitztal gemacht habe.

Anhand des Radiosondenaufstieg Prag (link) ist zu erkennen, dass die Inversion knapp oberhalb 900 m lag. Bemerkenswert: Selbst in über 3000 m Höhe war es heute wärmer als im sibirischen Zinnwald 😉

So hat es den Nebel über den Kamm gedrückt. Auch die Sächsische Schweiz wurde heute weitgehend vom ungemütlichen Böhmischen Nebel geflutet, wie auf dem Satellitenbild erkennbar ist.

Satbild Nebel

Es wird nicht mein letzter Versuch gewesen sein. Eigentlich ist es ganz einfach. Auf dem Milesovka befindet sich eine webcam (link), die wunderbare Bilder liefert. Und wenn die aus dem Nebel herausschaut, dann hat man wohl auch am Osterzgebirgskamm gute Chancen mal wieder so einen Anblick genießen zu dürfen. Soo selten ist das gar nicht, man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein 😉

Nebel am Erzgebirgskamm 2012

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