10 Tage Waldbrand – Gefahr noch nicht gebannt, aber Feuer eingedämmt

Löschung Rtg. Förstersloch

Seit dem 24.07. halten Waldbrände die Sächsisch-Böhmische Schweiz in Atem. Anfangs erging eine regelrechte Feuerwalze enormen Ausmaßes über die Gebiete um Hrensko/Mezna. Aufgrund der hohen Flammen und zeitweise starken Windes wurden zahlreiche Brandnester ringsum verstreut. Am kleinen Winterberg, kleinen Zschand, Grenzweg und Goldsteig gab es schlagartig eine Vielzahl an Brandstellen. Seit über einer Woche kreist eine Armada von Hubschraubern und Löschflugzeugen auf beiden Seiten der Landesgrenze. Mit gigantischen Personalaufwand von nunmehr über 1500 Feuerwehrleuten und Helfern wurden einige Brandstellen nach und nach gelöscht und die aktuelle Brandfläche erfolgreich auf ein überschaubares Maß reduziert. Leider spielt das Wetter überhaupt nicht mit. Seit Wochen fehlt ergiebiger Regen und die vorhersagten Niederschläge blieben zuletzt im Katastrophengebiet weitgehend aus.

Da sich die Glutnester vielmals in schwer zu erreichbaren Gebiet befinden, bleiben in manchen Fällen nur Löschversuche aus der Luft. Die Feuer fressen sich tief in den dürren Waldboden und finden mit Humus, Wurzeln und abgestorbenen Baumstämmen „hervorragende“ Bedingungen um sich permanent am Leben zu erhalten.

Große Brandflächen gelöscht – einzelne Brandnester schwer zu kontrollieren

Auf tschechischer Seite konzentriert man sich lt. aktuellen Medienberichten zum einen noch auf die Glutstellen oberhalb Hrensko, welche permanent gewässert werden müssen. Auch in der Kamnitzklamm von Hrensko bis Mezna wird immernoch gelöscht. Ein Areal am Bournak (Donnersberg) wird noch bekämpft, wo man derzeit auch von der Ferne noch leichte Rauchentwicklung sieht. Verschiedene Brände entlang der Landesgrenze werden gemeinsam von deutschen und tschechischen Kameraden bzw. Löschhubschrauber bearbeitet. Die 2 stärksten im Bereich Raingrund/Kieferngrund und bei den oberen Weberschlüchten/Grenzweg. Gestern wurde vermeldet, dass die großen Brände von Hrensko bis Mezni Louka weitgehend unter Kontrolle sind.

Aktuell bietet sich auf dem Gebiet des Nationalparks Sächsischer Schweiz seit 2 Tagen ein ähnliches Bild ohne signifikante Veränderung aus der Ferne. Es raucht im Bereich des Roßsteigs, am oberen Försterloch/Katzenstein und am Goldsteig in den Meilerschlüchten.  Die Brände am kleinen Winterberg im Bereich Frienstein/Siegfried und Winterbergspitzen scheinen gelöscht. Auch nach Einbruch der Dunkelheit war dort kein Glühen mehr sichtbar. Leider wurde in diesen Bereich auch viel Riffvegetation zerstört, sowie Mischwald. Von Lichtenhain fällt mit dem Telezoom v.a. der verbrannte Laubwald ins Auge. Im kleinen Zschand raucht es noch neben der Frühlingswand, und am Riff der Marienhöhle war am Abend des 01.08. noch ein Brandnest auszumachen.

Glühpunkt nahe Hintergründel 01.08.2022

 

Brennpunkte Zschand/Grenze (Kartenquelle: mapy.cz, mit eigenen Ergänzungen ohne Anspruch auf Exaktheit)

 

Die Temperaturen steigen in den nächsten Tagen auf über 30°C und frühestens am Freitag wäre die nächste Chance auf Regen bzw. Gewitter. Ein Hoffnungsschimmer für brauchbare Niederschläge. Mehr auch nicht, denn sehr unsicher. Leider zeigt die Erfahrung vergangener Wochen, dass schwache Tiefausläufer und Kaltfronten aus Westen hier in der Region Dresden kaum Regen gebracht haben. Die Gefahr, dass rings um die bekannten Brandherde neue Nester entstehen bleibt hoch. Und der Aufwand permanent zu Bewässern ebenfalls.

Flächige Waldsperrung vs böhmische Gastfreundschaft

Waldsperrung

Die Einsatzkraft und Aufwendungen sind in beiden Ländern enorm hoch. Ein signifikanter Unterschied ist im Informations- und Medienmanagement sichtbar. Während Landrat Geisler seit einer Woche die gesamten Wälder des Landkreisgebietes gesperrt hat und den Tourismus während der Hochsaison völlig lähmt – versuchen unserer Nachbarn in weiten Teilen der böhmischen Schweiz und Umgebung das Leben am Laufen zu halten. So wird explizit darüber informiert, dass jegliche Ziele die etwa >5 km vom Brandgebiet entfernt sind, noch besuchbar bleiben. Z. b. Jetrichovice mit Rudolfstein und Marienfelsen, der Rosenberg oder die Gegend um Daubitz. Alles andere ist sowieso nicht betroffen und Wanderungen zum hohen Schneeberg oder den Tissaer Wänden und generell Nordböhmen sind uneingeschränkt möglich. Man ist sich darüber im Klaren, dass nach 2 von der Coronakrise überschatteten Jahren der Tourismus nicht völlig zurückgefahren werden kann. Besucher aus Deutschland bleiben aufgrund des im Katastrophengebiet gesperrten Grenzübergangs Schmilka/Hrensko sowieso aus.

In Deutschland hingegen darf nicht mal mehr der 55 Kilometer entfernte Tharandter Wald  oder das Osterzgebirge betreten werden. Wir hätten gerade jetzt so viele herrlichen Alternativen für Wander- und Naturfreunde aufzeigen können! Stattdessen sollen die Leute in die Stadt, zum Baden oder werden auf Veranstaltungen gedrängt, die für Familien auch ordentlich Geld kosten. Jeder Waldbesucher ist für Herrn Geisler offenbar ein potentieller Brandstifter. Ähnliches kennen wir schon vor anderen Hintergrund aus der anfänglichen Coronazeit, als übermütig Parkplätze abgesperrt wurden und Knöllchen verteilt, nur weil Menschen an die frische Luft wollten.

Mir ist klar – viele haben für diese extrem restriktive Maßnahme Verständnis. Man sollte sich aber vor Augen halten, wie die betroffenen, lokal eingrenzbaren Brandflächen im amtlich verwalteten Borkenkäfer-Nationalpark, im hintersten Winkel des Landkreises im Verhältnis zum riesigen Kreisgebiet stehen. Alle haben Verständnis, wenn die aktuell noch problematischen Flächen für längeren Zeitraum nicht Betreten werden dürfen, oder gar der gesamte Nationalpark (sofern sich das Wetter nicht ändert) noch Wochen gesperrt bleibt. Die gesamte Region Pirna-Dippoldiswalde-Altenberg aber mit einen generellen Waldbetretungsverbot derartig touristisch abzufackeln… halte ich für unnötig und sollte schnellstmöglich überdacht werden. Vor dem Hintergrund das es auch anders geht. Für die Tschechische Republik ist es immerhin die größte Brandkatastrophe in der Geschichte des Landes, samt Evakuierungen, abgebrannten Häusern und gerade die Region um Hrensko das wichtigste touristische Ziel überhaupt. Trotzdem steckt man dort nicht den Kopf in den Sand.

Die Diskussionen um künftige Vermeidung solch unkontrollierter Brände, welche auch mit immensen Kosten einhergehen (10 Mio./20 Mio. je Nationalpark?) ist bereits in vollen Gange. Laut Medienberichten tritt wohl ein Umdenken ein – jetzt wo das Kind im Brunnen liegt. Der Sächsische Bergsteigerbund hat mit einer Pressemitteilung auf die sehr eigenwillige Auslegungen von selbsternannten Naturschützern reagiert. Man muss zukünftige Brandkatastrophen, die aufgrund menschlichen Einflüssen aber auch Blitzschlag immer und überall entstehen können, vernünftig vorbeugen. Die natürliche Alternative „Laufen lassen“ steht aufgrund der kleinen Fläche des Gebietes und den nahen Siedlungen nicht zur Debatte. Also bedarf es vernünftiger Lösungen. Wenn ein Nationalpark per internationalen Status damit nicht vereinbar ist, muss der Status überdacht werden. Man sollte jedenfalls auf Ratschläge von Feuerwehr, Forstleuten und Anwohnern eingehen.

Aber das ist Zukunftsmusik und es wird noch genügend Zeit geben, darüber zu debattieren. Jetzt hoffe ich, dass die Brände schnellstmöglich gelöscht werden und die vielen Helfer endlich zum durchatmen kommen. Egal, ob Feuerwehrleute, THW, Versorgungsdienste, Krisenstab, Nationalparkverwaltungen oder betroffene Anwohner.

11 Kommentare

  1. Achim Althausen

    Kann ich nur voll zustimmen. Heute ist mein letzter Urlaubstag und nur das 9 Euro Ticket mit stundenlangen Fahrten in Gebiete in denen man den Wald noch betreten durfte sowie der hohe Schneeberg haben den Urlaub gerettet.

    Die Nationalparkverwaltung und und der Landrat haben auf voller Linie versagt. Setzen sechs! Diese Katastrophe hätte nicht sein müssen. Beim Anblick der Borkekäferbäume war mir als Laie schon vor drei Jahren klar, dass es nicht gut gehen kann. Ich habe sogar den Tipp bekommen ich solle mich in das Nationalparkmuseum nach Bad Schandau begeben, da könne man völlig gefahrlos die Schönheit der Region erfahren und erleben.

    Da schmeise ich mein Geld lieber in die Elbe und schaue Ihm beim schwimmen zu ehe ich dieses Museum noch mal betrete. Diesen Nationalpark werde ich so wenig unterstützen wie ich nur kann.

    Seit 14 Jahren mache ich hier Urlaub und habe einige Euros hier gelassen. Aber mehr und mehr fühlt man sich hier unerwünscht und als Sörenfried beim „Natur Natur sein lassen“

    Wenn die Verantwortlichen doch nur mal A… in der Hose hätten anstatt blah blah zu verbreiten. Stattdesen werden sie sich auf die Schultern klopfen und belobhudeln wie toll sie die Katastrophe gemeistert haben.

    Harte Worte ich habe nur einmal im Jahr Urlaub und muss hart dafür arbeiten.

  2. Zunächst mal herzlichen Dank für den Blog und die Mühen.
    Ich kann mich inhaltlich auch nur voll anschließen. Vor vielen Jahren habe ich mal irgendwo in der Nähe Abzweig Zschand/ Hickelhöhle mit einem wohlverdienten Waldarbeiter alten Schlages ein nettes Gespräch. Thema war die, gern in auch in sämtlichen Prospekten und Urlaubsmagazinen oft beworbene Nationalparkspitzenstrategie: Hier entsteht ein neuer Urwald. Anders gesagt: wir machen aus einer hunderte Jahre alten Kulturlandschaft irgendwas, was es eigentlich seit Besiedelung nicht gab.
    Die trockene wenn gleich auch bemerkenswert treffende Aussage jenes netten Menschen damals war dazu: „Wenn die so weitermachen, brennt ihnen das irgendwann mal alles ab wenn´s n trocknen Sommer gibt- da braucht´s bloß zu blitzen“.
    Klar ist man hinterher immer schlauer, aber der traurige Anblick des „Urwaldes von morgen“ hat mich die letzten Jahre schon immer wehmütig gemacht. An solch ein Ausmaß wie jetzt hätte ich aber auch nicht gedacht.
    Das sich die Politik des: „wir sperren sukzessive diese unliebsamen Wanderer alle aus“ jetzt in anderer Weise fortsetzt überrascht ja beinahe nicht, ist sie doch mit noch gewichtigeren Schlagworten öffentlich noch besser darzustellen, als nur der Schwarzstorch, das Totholz etc. pp.
    Und weil man die behütende Hand ja gern auf breiter Front ausbreitet- ist jetzt pauschal mal jeder Wald eine Gefahrenstelle.

  3. Adrian Kremski

    Hallo Markus,

    vielen Dank an Dich für die sehr detaillierten Informationen zum Brandgeschehen.
    Die verfügbaren Informationen und eigene Eindrücke aus den derzeit zugänglichen Gebieten beiderseits der Grenze bestätigen Deine Schilderungen bzgl. Personal- und Materialaufwand und den Betretungsregeln.
    In der Vergangenheit ist dem (vorbeugenden und abwehrenden) Waldbrandschutz in Deutschland und auch im speziellen im Nationalpark und bei der Zusammenarbeit beiderseits der Grenze sicher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Das betrifft auch die Einsatzvorbereitung. Was jedoch auf tschechischer Seite an Wasservolumen mittels geländefähigen Tanklöschfahrzeugen bereits am 24.07. herangeführt wurde, wäre in Deutschland wohl kaum in vergleichbarer Zeit verfügbar gewesen. Die Ausbreitung verhindert hat dies jedoch nicht. Es war mit den zur Verfügung stehenden Personal- und Materialressourcen einfach nicht möglich, das Wasser in erforderlicher Schnelligkeit in die Fläche zu bringen.
    Die Feststellung der Katastrophe per Alarm für Bad Schandau am 26.07. und für Sebnitz am 28.07. löscht keinen Brand. Sie vereinfacht nur den Zugriff auf Ressourcen. Evtl. hätte ein Katastrophenvoralarm bereits bei Bekanntwerden des Brandes auf tschechischer Seite am 24.07. noch etwas gebracht.
    Diese Art des Agierens wurde von der Geschwindigkeit des Ereignisses de facto überholt.
    Eine eilends eingeholte Absprache zu Überflugrechten etc. hätte bereits vor Jahren erfolgen können, als das erhöhte Waldbrandrisiko (insbesondere das potentielle Schadensausmaß) infolge Trockenheit und Borkenkäferbefall sichtbar wurde.
    Selbst nach dem Warnschuss des Brandes an der Bastei wäre zumindest hierfür noch Zeit gewesen.
    Dann wäre es immerhin möglich gewesen, neben dem Entsenden von „Bodentruppen“ die am schnellsten verfügbaren deutschen Hubschrauber ins tschechische Brandgebiet zu schicken. Diese Maßnahme wäre eine der letzten akuten Interventionen gewesen, die das jetzige Ausmaß evtl. verhindern hätten können.
    Es sind also jede Menge Versäumnisse passiert, die durchaus auch mit den Erfahrungen anderer Länder (z.B. Waldbrand in Västmanland/ Schweden 2014) oder Regionen Deutschlands vermeidbar gewesen wären.
    Stattdessen sehen wir immer wieder (Lübtheen, Treuenbrietzen), dass ein Waldbrand unter den aktuellen Bedingungen mit den schon in ihrer Entstehungszeit begrenzt wirksamen Ansätzen (in den Alarmplänen hinterlegten Kräfte- und Mittelansätzen) versucht wird zu bekämpfen. Auch in Deutschland gibt es ausreichend Publikationen und Fachleute mit praktischer Erfahrung, welche jedoch zu wenig gehört werden.
    Das ist den Verantwortlichen durchaus entgegenzuhalten, wenn die Konzeption des Nationalparks die aktive Bekämpfung eines Waldbrandes vorsieht. (Dazu habe ich dort jedoch keine eindeutige Aussage gefunden).

    Was ich trotzdem deutlich ablehne, ist Deine Art und Weise, wie Du über „selbsternannte Naturschützer“ und die „Verantwortlichen“, z.B. den Landrat herziehst. Das ist vollkommen unnötig, respektlos und gehört sich nicht. Ich finde es schade, Dich darauf hinweisen zu müssen, weil Dir das offenbar selbst nicht auffällt.

    Bezüglich des Betretungsverbotes bin ich ebenfalls ganz anderer Ansicht. Sollte ein weiterer Waldbrand in Sachsen auftreten, ist bezüglich seiner Ausbreitungsgeschwindigkeit kaum anzunehmen, dass dieser sich langsamer entwickelt, als im Nationalpark. Im Bereich Nordsachsen ist sogar mit eher noch höherer Geschwindigkeit zu rechnen. Das sollte spätestens seit dem Brand bei Weißwasser 1992 akzeptiert sein.
    Da sich der Mensch über Jahrhunderte als größtes Brandrisiko für den Wald erwiesen hat (und z.B. auch beim kürzlichen Brand an der Bastei als Brandverursacher im Focus steht), bleibt dem Landrat angesichts der angespannten Ressourcenlage in Bezug auf Brandbekämpfung augenblicklich nichts anderes übrig.
    Klar kann man das auch wie in Tschechien machen und viel lockerer handhaben. Aber welche Ressourcen haben die überhaupt noch, um einen weiteren Waldbrand zu bekämpfen? Die sind ja jetzt schon auf europäische Hilfe angewiesen.

    Und Dein Verweis auf die leidenden Tourismusunternehmen? Ist da eigentlich jedem Unternehmer die Konsequenz eines Waldbrandes für sein Geschäft bewusst gewesen? Hätten die Tourismusunternehmen im Vorfeld evtl. mehr tun können? Haben die ihre Gäste z.B. auf das Rauchverbot und auf das Verbot des wilden Parkens etc. im Wald eindringlich genug hingewiesen? Wenn Du die homepages der Mitglieder des Landestourismusverbandes Sachsen abklapperst (was ich stichprobenartig z.B. bei den Tourismusverbänden Sächsische Schweiz und Erzgebirge getan habe), so findest Du lediglich den Wortlaut der Allgemeinverfügung.
    Aber präventiv, also aus einer Zeit, bevor die Allgemeinverfügung in Kraft trat: komplette Fehlanzeige.
    Unternehmerische Verantwortung im Sinne des touristischen Wertes der Region könnte man besser machen. Ähnliches könnte man auf Verkehrsunternehmen übertragen, welche ja zur Zeit Heerscharen von Fahrgästen haben, die mit Tickets für 9 € alle möglichen Landstriche bereisen.

    Die vfdb hat z.B. in Pressemitteilungen (https://www.vfdb.de/newsroom/presse) vom 10. Juni und verschärft noch mal vom 11. Juli eindringlich vor den uns nun gegenüberstehenden Szenarien gewarnt.
    Alle hätten es also wissen können …

    Jetzt sind wieder Hitzewellen angekündigt. Und Wind.
    Besteht Anlass zur Annahme dass sich das Waldbrandrisiko verringert hat?

    Und Du?
    Wirst Du Deine Reichweite mit dem Tourenblog nutzen und auf richtiges Verhalten zur Vermeidung von Waldbränden aufmerksam machen?

    Das wäre in der aktuellen Lage deutlich verantwortungsvoller, als über Verantwortliche herzuziehen (selbst, wenn’s wahr wäre).

    Just my 2Cents

    Beste Grüße
    Adrian

    • Hallo Adrian,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und die kritische Betrachtungsweise. Ich denke auch, die Löschaktionen sind im Rahmen der Möglichkeiten durchaus schnell und wirkunsvoll angelaufen. Am Abend des 25.07. auf dem Zirkelstein sah ich 2 Löschhubschrauber und wusste schon, es brauch eine Armada an Luftabwehr, um diesen Brand nicht ausufern zu lassen. Wertvolle Stunden gingen ins Land. Wer die Region und den Waldzustand kennt, dem ist bewusst, wie groß die Brandlast in den beiden Nationalparks ist. Schnellere grenzübergreifende Zusammenarbeit wäre besser gewesen. Dennoch sehe ich keinen Grund, da irgendjemanden in dieser akuten Situation Vorwürfe in der Brandbekämpfung zu machen. Im Gegenteil. Was derzeit geleistet wird finde ich erstaunlich und beeindruckend.

      Mein Ansinnen ist nicht blind über Verantwortliche herzuziehen, sondern ich prangere schlicht und ergreifend den blanken Aktionismus einer einzigen Person an, die nicht zum ersten mal weit über das Ziel hinausgeschossen ist. Die SZ berichtet bereits über den Einbruch der Tourismusbranche in unserer Region. Die Menschen stornieren reihenweise Buchungen für den Herbst – weil keiner weiß, wie lange diese Situation andauert. Der Landkreis ist dank der Kreisreform 2008 riesengroß. Trocken ist es aktuell überall – keine Frage. Aber die Situation im Nationalpark sollte man nicht 1:1 auf andere Gebiete übertragen. Man kann auch erst einmal das Freiübernachten einschränken, oder das verlassen der markierten Wege.

      Die Ursache geht ja eindeutig auf ein kleines Gebiet bei Hrensko zurück. Im Himbeergründel (Malovy dul) brach das Feuer aus. Dort befinden sich keine Touristen. Wenn ich mich recht entsinne, ist der Grund abschnittsweise recht unzugänglich (so genau weiß ich es nicht mehr, weil ich da ewig nicht mehr war – außer ein altes Walenzeichen am Eingang gab es nicht sonderlich viel zu sehen). Als Auslöser kommen also unachtsame Forstarbeiter genauso in Betracht, wie Einheimische oder Boofer. Wir werden es vielleicht nie erfahren. Grundsätzlich könnten auch durch Blitzschlag in entlegenen Gebiete Brände entstehen. Die aktuell extreme Trockenheit begünstigt jegliche Form der Brandentstehung, selbst PET-Wasserflaschen können schon gefährlich werden, geschweige denn Brillenglas oder sonstiger Zivilisationsmüll.

      Genauso wie die Interessengemeinschaft der Stiegen- und Wanderfreunde kritisiere ich seit Jahren das Vorhaben, eine künstliche Wildnis in den Grenzen des Nationalparks zu schaffen. Zusammen mit dem Sächsischen Bergsteigerbund wurde unter starken Gegenwind der Naturschutzverbände (BUND, Nabu) in den vergangenen Monaten erreicht, dass nach dem flächigen zusammenbrechen des Fichtenwaldes zumindest ein großer Teil der Wanderwege zugängig gemacht wurde. Das es mal zu einer akuten Situation kommen könnte, war fast allen Beobachtern klar. Im vorigen Jahr wurde großspurig angekündigt, 5 Löschzisternen im Nationalpark errichten zu wollen. Bisher keine Spur. Feuerwehrleute kritisierten nach den Waldbränden im Harz die enorme Brandlast und forderten Reaktionen. Es wurde bisher tatsächlich von Seiten des Landes und der entsprechenden Verwaltung nur das Minimalste getan – das freischneiden der Feuerwehrzufahrten und Rettungswege. Jetzt ist die Feuerwehr selbst in der Situation, Wege freischneiden zu müssen und sich damit leider in lebensgefährliche Lagen zu bringen um eine unkontrollierte Ausdehnung zu verhindern.
      Naturschutzverbände haben bis dato versucht, mit Hilfe einer Fledermausart, die hier nachweislich nicht vorkommt und ausgerechnet in abgestorbenen Fichten nisten soll, weitere Beräumungsmaßnahmen zu verhindern. Das in der Kernzone des Nationalparks (wo es jetzt gerade brennt) auch über Jahre das Wegenetz geschliffen wurde, brauch ich nicht zu erwähnen. Deshalb kann meine aktuelle Berichterstattung nicht ganz ohne Kritik erfolgen, und ich – als Naturmensch – möchte keinen ehrlichen Naturschützer der es wirklich ernst meint, irgendetwas in Abrede stellen. Das Waldsterben ist eine Folge des sich verändernden Klimas und lässt sich nicht zurückdrehen. Es geht um den Umgang mit den akuten Folgen vor der Haustür und die Zukunft des Nationalparks. Besucher aussperren ist leider das einfachste Mittel, welches ich persönlich nicht gut heiße. Natur und Torismus müssen im Einklang bleiben. Das funktioniert anderswo auch.

      Ganz nebenbei: Die permanente Verhinderung von Waldbränden hat in Teilen Kanadas und der USA überhaupt erst für die dortige Anfälligkeit und den schlechten Zustand der Monokulturen gesorgt. Waldbrände sind schlichtweg auch eine natürliche Erneuerung und in großen Waldgemeinschaften keine Katastrophe. In unseren siedlungsnahen Gebiet hingegen besteht permanent die Gefahr, dass Orte wie Mezna, Hinterhermsdorf, das Kirnitzschtal mit seinen Mühlen oder auch Na Tokani blitzschnell betroffen sind. Daher keine Option. Dann muss man aber konsequent vorbeugen. Und das geht nicht mit den Aussperren der Menschen (wie es das Nationalparkkonzept vorsieht), sondern indem wir uns eine gewisse forstwirtschaftliche Kontrolle vorbehalten. Waldumbau muss derzeit überall betrieben werden. Nichts machen kann uns in diesen Fall teuer zu stehen kommen.

      Ich muss niemanden darauf hinweisen wie er sich im Wald zu verhalten hat, sondern setze gewisse Verhaltensweisen meinen Mitmenschen voraus. Ignorante Idioten die im Wald oder aus dem Auto Kippen wegschnippsen oder bei Waldbrandgefahr Feuer machen erreiche ich mit meinen Blog sicher nicht. Gerade an den belebten Plätzen wie Bastei oder Schrammsteinaussicht sollte vielleicht mal ein Ranger öfters vorbeischauen, dagegen wäre aus meiner Sicht nichts einzuwenden.

      Freundliche Grüße,
      Markus

  4. Bin genau Deiner Meinung Markus.Ich glaube der Adrian war in den letzten 3 Jahren gar nicht im Großen Zschand selbst unterwegs egal…
    Diese Massen an Totholz gehören aus der Kulturlandschaft entfernt es ist eine Brandlast ohne Ende.An der Infostelle des sogenannten NP liegt fein gestapelt Brennholz.Hoffe da wird an Feuerverbot und Funkenflug gedacht

  5. Hallo Adrian,
    ich für meinen Teil kann in Markus´ Artikel nicht erkennen, wo er respektlos über wen auch immer „herzieht“.
    Er hat schlicht auf das hingewiesen was sich für „nicht selbsternannte Naturschützer“ aka „Kulturlandschaftsschützer“ und Wegeerhalter seit Jahren als Teil einer umfangreicheren Gesamtproblematik heraus skizzierte. Und da kann man durchaus drauf hinweisen, daß man da vor Jahren schon drauf hingewiesen hat.
    Das müssen sich die Verantwortlichen die in tlw. doch recht selbstgefälliger und trendsicherer Manier über alles hinweggebügelt sind, was nicht in ihrem Sinne war, auch gefallen lassen.
    Ferner finde ich die von Dir verwandte, ich nenne es mal „postkatastrophale Verantwortungsumlenkung“ nicht nachvollziehbar. Touristische, gastronomische Betriebe etc. haben jetzt ein Problem mit der aktuellen Situation. Die Region lebt zu großen Teilen vom Tourismus. Ich denke, daß vielen Betreibern die Abhängigkeit Ihrer Lage auch von evtl. eintretenden Naturgewalten durchaus bewußt war und ist; bspw. vor dem Hintergrund der immer wiederkehrenden Hochwasser steht dass für mich sogar außer Frage.
    Ob jene an Waldbrände hätten denken müssen und ihre Gäste/ Besucher gesondert drauf hinweisen hätten müssen, dass trockenes Holz und Gras brennt, Lagerfeuer im Wald gefährlich und unzulässig sind? Ähm- nein! Denen, die so einen Hinweis bräuchten, ist sowieso nicht zu helfen und ich finde, daß man dies auch im Nachhinein nicht in den Verantwortungsbereich von Unternehmern legen kann, nur weil diese eine Art Nutznießer des Landstrichs sind, in welchem sie sich befinden. Muss jede Bockwurstbude die Streichhölzer und Bier verkauft, drauf hinweisen, daß man damit nicht besoffen durch den Wald rennt und Laub anbrennt? Nein.
    Hingegen ist jenen, die ihre Philosophie des nationalparkverwalteten Urwalds und betretungsfreien Naturreservats von morgen über lange Zeit, entgegen vieler bittenden und mahnenden Stimmen, triumphal über andere Ansichten gestellt hat, durchaus ein Hinweis auf ihre diesbezügliche Verantwortung zur derzeitigen Situation zu geben. Den diese hätten zwingend wissen müssen, daß großflächig trockener, abgestorbener, weil sich selbst überlassener Wald nun mal leichter in Gefahr gerät darnieder zu brennen, als eine gepflegte Kulturlandschaft.

  6. @Adrian: Markus hat doch in diesem Artikel gar nicht über jemanden „hergezogen“. Abgesehen davon sind manchmal paar harte Worte gegenüber Verantwortlichen ganz angebracht, die ständig falsche Entscheidungen treffen und das auch noch öffentlich äußern. Denn wenn Umweltminister Günther sich mitten im Katastrophengebiet bei 30° hinstellt und vor Angehörigen der Feuerwehr sagt, Totholz ist ein wichtiger Wasserspeicher im Wald, kann man ihm angesichts der aktuellen Lage nur den sprichwörtlichen Vogel zeigen. Das, was er sagt, mag zwar in einem normalen Wald oder Urwald so sein, wo normale Mengen an Totholz direkt am Boden liegen und es ab und zu mal regnet. Aber hier in der Kernzone der Sächsischen Schweiz weiß er seit 2018 ganz genau, daß Unmengen von Totholz einen Meter über dem Waldboden oder sogar noch höher liegt und dadurch nicht nur luftgetrocknet ist, sondern durch die langanhaltende Sonneneinstrahlung trocken wie Zunder ist. Zusätzlich ist auch der Waldboden darunter durch die langen Trockenperioden ohne Regen total trocken. Das alles wirkt wie zusätzlicher Brandbeschleuniger, außerdem kommt die Feuerwehr durch das viele Totholz vielfach gar nicht an die Brandherde ran. Herr Günther kann seinen Posten ja mal ehrenamtlich durchführen und dafür sein Gehalt den Feuerwehrmännern spenden. Die Verantwortlichen für diese Misere sollten vor Gericht gestellt und abgeurteilt werden wegen Begünstigung von Waldbränden. Im Mittelalter hat man übrigens Brandstifter an einen Pfahl gebunden und öffentlich verbrannt. Vielleicht sollte man diese Sitte zur Abschreckung hier wieder einführen. Z.B. auf dem Marktplatz in Pirna oder in Bad Schandau. Das wiederum würde dann auch zusätzlich Touristen anlocken, die ja momentan nicht in den Wald dürfen.

  7. Den letzten Kommentaren schließe ich mich an, nur mit der Ausnahme – keine Scheiterhaufen- !
    Aber: jeder der tolle Sprüche klopft, sollte mal eine Woche
    Seite an Seite mit den Feuerwehrleuten an vorderster Front
    stehen und mitarbeiten.

    Ansonsten vielen Dank für die vielen Informationen hier
    im Blog und auf sandsteinwandern.de
    Möge es bald regnen!

  8. Danke für die Infos und ein Vorschlag: Der Leiter der Nationalparkverwaltung möge doch mal an Stelle einer Feuerwehrfrau oder einesFeuerwehrmannes Schläuche hoch auf den Winterberg tragen und dann selbst 10, 14 Stunden den Schlauch halten und Feuer löschen, anstatt warmer Worte zum Kaltstellen abzulassen.

  9. Was passiert hier eigentlich? Keine Infos mehr was da gerade in der Hinteren Sächsischen Schweiz abgeht.Markus ? Ich komme aus der Nähe vom Chemnitz und über Medien Null warum von dir keine Info mehr?

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