Naturpark Sächsische Schweiz – Kann das funktionieren?

Auftaktveranstaltung in Hohnstein 07.09.2022

Eine Bürgerinitiative aus Hohnstein sorgt in diesen Tagen mächtig für Wirbel in der Sächsischen Schweiz. Gefordert wird nichts geringeres als die Umwandlung des Nationalparks in einen Naturpark. Am Montag konnten drei Vertreter der Bürgerinitiative ihr Anliegen bereits bei der Sendung „Fakt ist“ im MDR vorstellen. Diesen Mittwoch wurde für eine Veranstaltung im Max-Jacob-Theater in Hohnstein eingeladen, in welcher die Initiative und eine Petition pro Naturpark vorgestellt wurde.

Der öffentlichen Einladung sind viele gefolgt. Der Saal war mit geschätzt über 100 Leuten gut gefüllt. Nach anfänglicher Vorstellung aller Beteiligten wurden die Beweggründe erläutert, warum das Maß voll ist und der Schutzzweck eines Nationalparks nicht mehr mit den Interessen der Anwohner und Besucher vereinbar ist. Daniel Brade, der Bürgermeister von Hohnstein ist sicherlich das bekannteste Gesicht. Hanka Owsian aus Hohnstein ist Sprecherin der Bürgerinitiative. Beteiligt sind u.a. auch ein Feuerwehrmann, Betreiber einer Kletterschule und der Ortsvorsteher von Schmilka. Die Punkte wurden sehr sachlich vorgetragen. Man möchte ausdrücklich keine Spaltung zwischen Naturschutz und Tourismus, sondern ein Miteinander. Man arbeitet auch nicht gegen die gesetzlich beauftragte Nationalparkverwaltung – wenngleich deren Existenz auch vom Gebietsstatus abhängig ist. Eine wichtige Rolle in der Argumentation spielt der Evaluierungsbericht von EUROPARCS, wobei dessen Wertigkeit von der Nationalparkverwaltung bisher eher heruntergespielt wurde – Umweltverbände hingegen aber gern darauf verweisen.

Bürgerinitative Naturpark Sächsische Schweiz

Nach Vorstellung der Ziele dieser Bürgerinitiative gab es viele Wortmeldungen unter den Gästen im Publikum. Es wurde schnell klar, dass an diesen Abend eine bunte Mischung an Leuten anwesend ist, welchen die Sächsische Schweiz am Herzen liegt und eine Änderung herbeisehnen. Das geht von Feuerwehrleuten, welche direkt im Brandgeschehen beteiligt waren bis hin zu Stadträten aus Porschdorf, Pirna und Bad Schandau, sowie Gäste aus der Forstwirtschaft und der Tourismusbranche. Das Interesse und die Beteiligung der Menschen vor Ort ist hoch. Den Leuten ist es ernst. In erster Linie geht es um die Menschen, welche hier Leben. Darüber hinaus betrachten aber auch andere die Sächsische Schweiz als ihre Heimat. Seien es Kletterer, Wanderer, Naturfreunde und andere Erholungssuchende, die regelmäßig hierherkommen.

Natürlich herrscht Wehmut darüber, dass sich der Wald in so kurzer Zeit so stark verändert hat. Das kann man nicht mehr zurückdrehen und genau deshalb muss man seinen Blick in die Zukunft richten. Mit einen Nationalparkstatus, wo aufwändig jede Beräumung eines Wanderweges bei der Landesdirektion genehmigt werden muss und Umweltverbände mit Klage drohen, geht das wahrscheinlich nicht. Eine teils unzugängliche Wildnis inmitten dieser gewachsenen Kulturlandschaft ist mit dieser touristischen Destination nicht vereinbar. Wenn schon „Evaluierung“ – dann wäre es längst Zeit gewesen, diese gemeinsam mit den Menschen vor Ort vorzunehmen.

Die Äußerungen aus dem Umweltministerium am Montag im TV klangen wie Hohn und heizen die Stimmung zusätzlich auf. Es ist keinerlei Wille erkennbar, auf den Leuten zuzugehen. Anscheinend hat man auch keinen allzu großen gesetzlichen Handlungsspielraum, denn Umweltverbände drohen bei jeder Kleinigkeit mit Klage. Es ist also im Umkehrschluss auch deren Verdienst, dass das Verhältnis zwischen den Menschen in der Region zum Nationalpark so zerrüttet ist. Das Elbsandsteingebirge verkommt immer mehr zum Experimentierkasten grüner Ideologien, die den Menschen per se als schädlichen Faktor sehen. Den Leuten wird im Bereich des Nationalparks gar nicht mehr die Möglichkeit gegeben, sich aktiv einzubringen. Das es auch anders geht, sieht man an dem 2018 vom Sachsenforst eingerichteten linkselbischen Forststeig oder im Zittauer Gebirge – ein Naturpark.

Mein Eindruck dieser zweistündigen Veranstaltung in Hohnstein ist, dass von den Einheimischen viel Herzblut und Engagement in dem Bestreben steckt, etwas zu ändern. Die lokale Politik steht bereits zu einem beträchtlichen Teil hinter dieser Initiative! Den Landespolitikern in Dresden sei geraten, das ernst zu nehmen. Ich für meinen Teil unterstütze diese Initiative vollumfänglich.

Link zur Website und Petition der Bürgerinitiative

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Etwas gemäßigtere Töne schlägt derweil der Sächsische Bergsteigerbund an. Von einer Forderung nach Abschaffung des strengen Schutzstatus ist noch keine Rede. Die fünf Thesen in der Pressemitteilung vom 29.08. sind aber sehr fundiert begründet und stellen eine hervorragende Diskussionsgrundlage dar. Der SBB als größter Sportbund Sachsens ist eine etablierte Stimme. Die Frage ist, ob die Amtsträger diesen Faden aufnehmen. Wenn die Politik weiterhin die Anliegen verschiedenster Interessengruppen negiert, bleibt in naher Zukunft kaum noch jemand übrig, der Verständnis für diese absurde Form von Brennholzschutz* hat.

* Ein Feuerwehrmann sagte auf der Veranstaltung in Hohnstein sinngemäß treffend: „Was da gebrannt hat, und heute als Totholz bezeichnet wird, haben wir früher Brennholz genannt.“ Den Beweis habe ich mit Stichprobenartigen Messungen erbracht, und die abgebrannten Bereiche sprechen eine klare Sprache, deshalb benenne ich das in Zukunft auch so.

Brennholz

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