Das war schon ein kleiner Paukenschlag als vergangene Woche einvernehmlich von tschechischer und deutscher Nationalparkverwaltung für das Frühjahr 2026 ein neuer, grenzüberschreitender Wanderweg angekündigt wurde, welcher beide Nationalparks verbinden soll.
In den sozialen Netzwerken wurde sogar ein Link gepostet, der den ungefähren Wegverlauf wiedergibt. Und ich stelle es gleich vorweg: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, den vermutlich jeder Wanderfreund begrüßen wird. Schön zu sehen, dass es doch geht!

Karte von 1889 – Rudolf Henke, Wegweiser durch die Sächsische Schweiz mit Markierung der Grenzübergänge
In den letzten Jahren war es ein großer Kritikpunkt der Wander- und Tourismusverbände beider Länder, dass es zwischen Hinterdittersbach (Zadni Jetrichovice) und dem Grenzübergang B172 Schmilka/Hrensko keinen einzigen grenzüberschreitenden Wanderweg gibt. Also auf einer Länge von über 10 km!
Vor 100 Jahren gab es allein auf dieser Strecke ungefähr 10 Wege, welche über die Grenze führten, wobei der Fremdenweg vom Gr. Winterberg zum Prebischtor die mit Abstand wichtigste Rolle einnahm. Und auch wenn diese historischen Wege seit langem nicht mehr gepflegt werden, sind die meisten davon auch heutzutage noch vorhanden und begehbar.
Details zur neuen Route – Langehorn-Steig und Schweinsgartenweg?
Trotz des Vorhandenseins zahlreicher historischer Wege handelt es sich hier tatsächlich um eine teils neue Wegführung. Zumindest auf den ersten 300 Metern im Bereich der Landesgrenze. Er führt von dem auf deutscher Seite vorhandenen gelb markierten Grenzweg abzweigend rechts hinauf auf den Rücken des Dlouhy roh (Langen Horns). Es werden links und rechts Hölzer eingebracht und der Weg entlang des Hanges befestigt, wobei der Aufwand überschaubar ist. Weiter oben mündet er auf einen bereits vorhandenen Forstweg, welcher auch 2022 beim großen Waldbrand für Löscharbeiten genutzt wurde und letztlich als Schweinsgartenweg in den Dürrebielegrund (Suchá Bělá) mündet. Einen Bericht von Tag24 zufolge soll der Weg sogar bereits im Oktober freigegeben werden. Die Bauarbeiten sind jedenfalls voll im Gange, man kann es von deutscher Seite aus sehen. Vergangenen Regensonntag bin ich nur mal ein kleines Stück dahingelaufen, daher stammen auch folgende 3 Fotos.
- Neuer Weg CZ unweit Schmilka 14.09.2025
- Neuer Weg CZ unweit Schmilka 14.09.2025
- Neuer Weg CZ unweit Schmilka 14.09.2025
Im Bereich dieses Langen Horns gibt es übrigens Spuren alter Pfade und sogar vereinzelt historische Stufen. Zumindest bin ich bei einer Exkursion 2018 darauf gestoßen. Im Riffbereich waren auch alte Forstgrenzsteine zu entdecken. Durch das Kerbtal entlang der Landesgrenze führte früher auch der Diebssteig entlang, welcher spätestens mit dem Neubau des „Grenzweges“ ab 1921 an Bedeutung verlor. Wen das interessiert findet Bilder dazu am Ende meines Beitrags.
Waldbrand als Hauptthema und Elfmeter für Deutschland
Die erfreuliche Mitteilung wurde in den Presseveröffentlichungen der Nationalparks von ein paar „kuriosen“ Informationen begleitet. So erklingt aus deutschem Munde, dass einer der Hauptgründe für diese Weganlage die Verbindung vom erlebnispädagogischen „Weg zur Wildnis“ am Reitsteig mit der neuen Aussicht am Mühlsteig sei (vyhlidka Fenix). Beide Punkte sind vom Waldbrand 2022 betroffen und haben diesen auch als Thema. Also Waldentwicklung, Natur sein lassen und dergleichen.
Wenn man sich diese Aussage aber länger durch den Kopf gehen lässt, kommt man schnell zu den Umkehrschluss, dass es diesen Weg ohne den Waldbrand 2022 eventuell gar nicht geben würde. Vielleicht sollte man den neuen Weg, der vom Waldbild selbstverständlich auch stark durch den verheerenden Großbrand geprägt ist, gleich dem Brandstifter widmen. Der wurde unlängst allerdings für dieses Delikt mangels Beweise freigesprochen. Die Aussage von Herrn Borrmeister hat jedenfalls einen seltsamen Beigeschmack.
Nationalparks sind natürlich auch für Umweltbildung zuständig, und Lehrpfade oder Besuchertafeln mit Hinweisen zur „natürlichen Waldentwicklung“ oder Entwicklung auf Waldbrandflächen absolut legitim. Dass aber ausgerechnet diese beiden, menschgemachten, 9 Kilometer entfernten Punkte als Hauptgründe für die Nutzung des neuen grenzüberschreitenden Wanderweges hervorgehoben werden, dürfte das ein oder andere Stirnrunzeln verursachen. Wir wissen: Natur erholt sich schnell nach einem Waldbrand, in begrenztem Maße gehört es sogar dazu – zumindest in einen intakten Waldökosystem. Für eine vom Menschen genutzte Kulturlandschaft ist es hingegen eine nachhaltige „Katastrophe“.
Hinzu kommt, dass es als Deutsch-Tschechisches Projekt verkauft wird. Der neu markierte Wegabschnitt ist ungefähr 2,3 Kilometer lang. Wenn ich günstig aufrunde, fallen 11 Meter davon auf die deutsche Seite. Also 0,47 Prozent im Verhältnis zu 99,53 Prozent. Sicherlich genehmigungstechnisch trotzdem eine hohe Hürde. Ob Deutschland hier wirklich irgendeine Rolle gespielt hat, wissen nur die Beteiligten. Den Elfmeter muss man eigentlich nur noch verwandeln. Auf deutscher Seite waren vergangenen Sonntag (14.09.2025) jedenfalls noch keine Anstalten in Bezug auf die Neue Wegesführung und den drohenden Touristenansturm zu sehen. Im Gegenteil – am Grenzweg müsste mal wieder das Geländer erneuert werden…
Grenzenloses Wandern?
Nun aber Schluss mit dem Sarkasmus. Was mir in erster Linie in den Sinn kommt: Endlich kann man künftig also in aller Ruhe von Schmilka zum Prebischtor wandern, ohne eine vielbefahrene Straße nutzen zu müssen. Die zusätzlichen 200 Höhenmeter möchte ich nicht verschweigen, aber die nimmt man doch sicher billigend in Kauf. Denn gerade an den Wochenenden ist auf der Straße sehr viel Verkehr und da bietet der neue Weg oben entlang ein schöneres Naturerlebnis. Unter Einbezug der öffentlichen Verkehrsmittel (Bus/Bahn/Fähre) kann man je nach gewünschte Streckenlänge wunderbar Punkte miteinander verbinden, die so bisher zumindest auf legale Art und Weise nicht möglich waren. Denkbar sind zum Beispiel auch Etappen vom Kirnitzschtal nach Hrensko, wo man die Tagestour mit einen bezahlbaren Abendessen ausklingen lassen möchte. Oder andersherum.
„Neuerschließung“ Silberwände und Prebischtorgebiet
Auch im tschechischen Nationalpark gibt es reguläre Kletterzugänge zu den offiziell zugelassenen Kletterfelsen. Im Gelände sind sie zwar nicht annähernd so gut ausmarkiert wie auf deutscher Seite (schwarzer Pfeil auf weißen Grund). Aber die Begehung dieser Pfade ist (für Jedermann!) außerhalb der vorgeschriebenen Horstschutzzeiten (meist 01.07.-31.01.) erlaubt. Und diese Kletterzugänge zweigen zum einen im Bereich der Kreuzwege vom neu markierten Wanderweg ab. Und an der Einmündung im Dürrebielegrund erreicht man ein weiteres anknüpfendes Wegenetz. Man würde also auf ganz legalen Weg zu Silberwand, Auerhahnwand und Matzseidelwänden gelangen. Mit diesen Hintergrundwissen finde ich den neuen Weg umso überraschender.
Wenn nur leider das „Wenn“ nicht wäre. Die Nationalparkverwaltung hinterlässt derzeit in regelmäßigen Abstand von 3 Monaten eine Allgemeinverfügung über die Sperrung verschiedener Wanderwege und Kletterzugänge aufgrund der Gefahr umstürzender Bäume und Waldbrandfolgen. Darunter fallen auch die Kletterzugänge im angesprochenen Gebiet. Es ist offen, wie viele Jahre man noch so verfährt. Damit fällt das aus meiner Sicht „größte Pfund“ was für diesen Weg spricht derzeit erst einmal weg.
Es war einmal…
Das Gebiet um die Silberwand und Auerhahnwände dürfte bisher nur wenigen Wanderern genauer bekannt sein. Vom neu angelegten Weg aus ist es nur noch ein Katzensprung an den Felsfuß dieser sagenumwobenen Wände. Im Mittelalter sollen italienische Bergarbeiter nach Gold- und Silber gesucht haben, von denen an Felsspalten noch einige Walenzeichen stammen. Und natürlich auch der Silberwandstollen. Gerade diese hohen Felswände entlang der Landesgrenze haben eine bewegte Geschichte und zahlreiche Inschriften zeugen davon. Hinzu kommen atemberaubende versteckte Aussichten und interessante Felsgebilde.
In den vergangenen 10 Jahren war ich häufiger dort unterwegs. Vor allem auf Basis historischer Karten, denn die Kletterzugangsmarkierungen waren eigentlich nur noch an wenigen Stellen durch Zufall zu sehen. Diese hohen Felswände haben mich magisch angezogen. Nach 2020 hat die Borkenkäferkalamität aber auch dort voll zugeschlagen und die Pfade wurden immer unwegsamer. Nach dem Waldbrand erschweren Jungwuchs (Farn/Birken/Fichte) das Vorankommen. Das Gebiet hat ein völlig neues Antlitz erhalten. Alter Wald ist abgebrannt, neuer Wald entsteht. Normalerweise wäre es Aufgabe der Nationalparkverwaltung in Verbindung mit Klettervereinigungen die Zugangswege zu den Kletterfelsen grob begehbar zu halten. Auch um vorzubeugen dass jeder „on sight“ latscht wie er denkt. Obwohl das Thema Verkehrssicherungspflicht auf Kletterzugängen eine deutlich untergeordnete Rolle spielt, weil man dort grundsätzlich auf eigenes Risiko unterwegs ist und die Wege zu keinem Zeitpunkt touristentauglich sein müssen, bleiben diese Wege mittels Allgemeinverfügung gesperrt. Bleibt zu hoffen, dass man nicht stillschweigend versucht das Klettern und damit auch die Zugänge zumindest in der Kernzone der Böhmischen Schweiz ganz „tot“ zu bekommen. Es ist aus meiner Sicht schlicht eine Frage des Wollens. Derzeit dürften aber die markierten Wanderwege eine größere Priorität haben – und da gibt es noch sehr viel zu tun.
Neuer Weg – oder nur Lücke im System?
Petr Kříž, Leiter der tschechischen Nationalparkverwaltung äußert sich wie folgt auf der Website des Nationalparks: „Die Ruhezonen der Nationalparks Böhmische und Sächsische Schweiz befinden sich in abgelegeneren Gebieten an der Staatsgrenze. Sie bilden ein Gegengewicht zu den touristisch gut erreichbaren und intensiv genutzten Orten in der Umgebung der Gemeinden, die an den Rändern der Nationalparks liegen. Gerade in den Ruhezonen soll die Natur so wenig wie möglich durch den Menschen gestört werden. Die neue Route bewahrt ihre Integrität und verläuft auf der tschechischen Seite teilweise auch am Rande des Ruhegebiets. Vor ihrer Einrichtung haben wir die Auswirkungen einer höheren Besucherzahl sorgfältig bewertet und werden die möglichen Auswirkungen auch nach ihrer Eröffnung beobachten.“ (Übersetzt mit DeepL)
Damit hat er wohl Bedenken im Kopf, dass sich unweigerlich auch in der Kernzone im Bereich der Wände ein größeres Besucheraufkommen entwickeln könnte. Bis vor wenigen Jahren verlief die „Zona I.“ sogar direkt entlang des Langen Horns, und wurde erst 2020 mit der Überarbeitung der Zonierungsgrenzen ein Stückchen weiter nach Nordosten verschoben, was diese Wegeanlage vermutlich erst ermöglicht. Immerhin ist die Ecke bisher nahezu völlig beruhigt, es „verirren“ sich nur wenige Menschen dahin. Das zeigen auch heatmaps. Markierte Wege bringen zwangsläufig eine Zunahme des Besucheraufkommens mit sich, das liegt in der Natur der Sache. Vor allem dort, wo Besucherlenkung recht aggressiv gehandhabt wird – in Nationalparks. In der Vergangenheit wurde nicht selten am Eingang des Dürrenbielegrundes oberhalb des Prebischtorparkplatzes ein Ranger postiert, der alle „eindringenden“ Personen abwimmeln sollte. Die Neueröffnung konterkariert dieses Vorgehen. Von deutscher Seite aus dürfte der Pascherweg bisher am häufigsten als Zugang ins Gebiet gedient haben, auch wenn sein Begehen als unmarkierter Weg in der Kernzone nicht erlaubt ist. Auf jeden Fall erleichtert der Weg das „eindringen“ in gewisse Felsbereiche.
Bestehende Probleme
Allerdings sollte auch dieser neue Weg nicht darüber hinwegtäuschen, dass unverändert zahlreiche Anschlusswege um Hrensko gesperrt sind: Gabrielensteig, Durchgängigkeit Edmundsklamm, Wilde Klamm, Dürrkamnitzschlucht.
Und der nächste offizielle Grenzübergang für Wanderer ist unverändert sehr weit entfernt in Hinterdittersbach, was für Rundtouren kaum in Frage kommt, wenn es kein Megamarsch werden soll.
Zweifelsohne möchte die Nationalparkverwaltung mit dem Weg erst einmal den Druck herausnehmen und den Tourismusverbänden oder Kommunen nach all der Kritik etwas anbieten. Welche Bedeutung dieser neue Weg in Zukunft erlangt, bleibt abzuwarten. Im Nationalpark Böhmische Schweiz muss erstmal das vorhandene Wegenetz einschließlich der Kletterzugänge wiederhergestellt werden um das Gebiet erlebbar zu machen. Erst dann kann dieser neue Verbindungsweg sein ganzes Potenzial entfalten.
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Quellenverzeichnis:
Meldung der Tschechischen Nationalparkverwaltung zum Neuen Weg zwischen Schmilka und Hrensko
Neuer Weg bei mapy.cz (Bereitgestellt von der offiziellen Facebookseite der NPCS)
Informationen zu Kletterzugängen im Nationalpark Böhmische Schweiz
https://www.npcs.cz/horolezectvi
Sperrung der Kletterzugänge und anderer Wanderwege mittels Allgemeinverfügung
https://www.npcs.cz/sites/default/files/prilohy/2025/07/250625_OOP_Vylouceni_vstupu_do_lesa.pdf
Karte zur Allgemeinverfügung
https://www.npcs.cz/sites/default/files/prilohy/2025/02/Mapove_prilohy.pdf
TAG24 berichtet über die Eröffnung ab „Mitte Oktober“
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Bildergalerie Langes Horn (Dlouhy roh)
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- Langes Horn 2014
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