Tauwetter = Eiszapfenzeit im Wolfsbachtal

Abbildung von 1924 aus „Das böhmische Niederland – Deutsche Heimatbücher“

Während unserer Freitagstour in den Affensteinen fielen uns an einigen Stellen beachtliche Eisgebilde in die Augen, sodass wir am nächsten Tag gleich noch eine Tour zu den berühmten Zeidler Eisfällen in der Böhmischen Schweiz drangesetzt haben. In Dresden war bereits die warme Luftmasse mit Regen herangerückt, während es in der Sebnitzer Umgegend nochmal etwas Neuschnee gab. Unsere Erwartungen waren (zumindest bei mir) nicht besonders hoch, da die winterliche Phase lediglich wenige Tage anhielt und vor einer Woche bereits großes Tauwetter die kleinen Schneemengen hinwegraffte. Im idealen Fall wechseln sich über Wochen hinweg eiskalte Nächte mit knappen Plusgraden tagsüber ab, um immer größere Eisgebilde heranwachsen zu lassen. Man kennt es auf deutscher Seite ja von der Gautschgrotte bei Hohenstein. Und nur trockene Kälte (wie zuletzt im Januar) reicht eben auch nicht aus.

Die sogenannten „Zeidler Eisfälle“ sind bereits seit über 100 Jahren als winterliche Touristenattraktion bekannt. So sind sie bereits auf der Wäber-Lissel-Karte von 1902 (Touristenkarte von Zeidler und Umgebung) verzeichnet und fanden sogar früh Abbildung in einem geologischen Aufsatz von 1935. Der Reichenberger Tagesbote von 20.03.1931 bewirbt ebenfalls die beiden großen Eiszapfen als lohnendes Ausflugsziel. Der erwähnte Zug von Rumburg verkehrt seit wenigen Jahren allerdings nur noch im Sommerhalbjahr – man muss also tendenziell den PKW zur Anreise nutzen.

Reichenberger Tagesbote 20.03.1931

Der heutige Name ist etwas missverständlich, da sich die Eiszapfen eher im Wolfsbachtal befinden, statt im Zeidlerbachtal. So machten wir uns in Ort Vlci hora (Wolfsberg) auf den Weg. Ringsum ziehen Nebelschwaden. Vom nahe gelegenen Wolfsberg ist nicht einmal der Turm zu erkennen. Ringsum macht alles noch einen tief verschneiten, winterlichen Eindruck. Der Schnee deckt aber auch die Wunden des Waldes zu. Der „Wald“ verdient seinen Namen in der Gegend nicht mehr und sieht äußerst wüst aus. Glücklicherweise waren die Zugänge zu den wichtigsten Eisfällen aber freigesägt. Das Wolfsbachtal selbst ist kahlgeschlagen und licht. Die kleineren Eisgebilde waren ganz sehenswert. Die großen Zapfen im Rabengrund und Wehners Grund waren noch nicht ganz durchgefroren oder bereits abgebrochen. Ich habe hier im Blog ja schon mehrfach Bilder gezeigt, wo die Zapfen noch etwas imposanter aussahen. Deshalb möchte ich meine Ausführungen eher kurz halten. Auffällig sind die unterschiedlichen Färbungen, die wohl aus herausgelösten Mineralstoffen entstehen.

Wir waren froh, die Gelegenheit noch einmal genutzt zu haben. Die markierten Hauptwanderwege und Eiszapfenpfade waren frei und zugänglich – ist heutzutage ja nicht mehr selbstverständlich, deshalb sei es hier ausdrücklich mal lobenswert erwähnt. Am Abend lichtete sich die diesige Stimmung etwas und von der Anhöhe zwischen Brtniky (Zeidler) und Vlci Hora (Wolfsberg) erschien plötzlich das Lausitzer Gebirge am Horizont mit Finkenkoppe, Lausche und Tannenberg. Die Sonne kam für kurze Zeit durch und wir bekamen zum Abschluss noch eine herrliche Abendstimmung serviert, ehe kurz darauf erneut Nebel und Nieselregen ins Böhmische Niederland hereinzog.

Quellen der alten Abbildungen und Bezug alte Karte:

[1] FRITSCHE, Josef. Das Landschaftsbild der Heimat im Lichte erdgeschichtlicher Betrachtung: mit 1 Kartenskizze u. mehreren Abbildungen und Zeichnungen. Niederehrenberg bei Rumburg: Verlag der Heimatkunde, 1935, p. [1a]. Erhältlich auch bei: https://www.digitalniknihovna.cz/kvkli/uuid/uuid:276150b5-73d7-11e5-918d-001b21d0d3a4

[2] Reichenberger Tagesbote. Reichenberg: Emil Böhme, 20.03.1931, 3(79). ISSN 2694-9342. Erhältlich auch bei: https://www.digitalniknihovna.cz/kvkli/uuid/uuid:ddec7784-0a49-4674-b0d2-e737ed0d3e6d

[3] Bibliographie Rolf Böhm #30 – Wäbersche Touristenkarte von Zeidler und Umgebung
https://www.boehmwanderkarten.de/redaktion/is_bibliographie.html+


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