Eher zufällig bin ich auf Facebook in eine Gruppe hineingeraten, in welcher Wanderberichte, Fotos und allerlei wissenswertes über das Lausitzer Gebirge ausgetauscht werden. So etwas gibt es ja zuhauf auch für das Elbsandsteingebirge und alle möglichen Gegenden, wobei das Lausitzer Gebirge eine Besonderheit als Grenzregion darstellt. Dort hat Stefan Hornig, ehemaliger Bürgermeister von Oppach, überaus aktiver Wandersmann und Admin dieser Facebook-Gruppe eine Liste ins Spiel gebracht, welche die 50 höchsten Berge des Lausitzer Gebirges auflistet und letztlich eine Art Challenge gestartet.
Ab wann ist ein Berg ein Berg?
Als Freund von Zahlen und Statistiken habe ich das mit Interesse verfolgt. Im vergangenen Dezember wurde die Liste nochmals von Stefan Hornig aktualisiert und internationale Kriterien angewandt, nachdem ein Berg erst ab einer Schartenhöhe (Prominenz) von 30 m als eigenständiger Gipfel anerkannt wird. Somit fielen einige weniger relevante Gipfel aus der Liste heraus und stattdessen rückten ein paar „richtige“ Berge nach. Das entspricht auch eher dem „Gipfelerlebnis“ und hatte meine Motivation erhöht, das Projekt in Angriff zu nehmen.
Nach mühsamen Abgleich und heraussuchen diverser Touren aus der Vergangenheit fiel mir auf, dass noch 18 Gipfel für die Komplettierung fehlten. Und so nahm ich diese Liste der „50 summits“ zum Anlass, über die Ostertage ein paar schöne Touren zu unternehmen mit dem Hauptziel, die noch offenen Gipfel abzugrasen.
Auszeit im Lausitzer Gebirge
Besonders in den Jahren 2014 bis 2018 habe ich viele Touren und Kurzurlaube im Lausitzer Gebirge unternommen. Mal zusammen mit Freunden, mal allein. Gerade die relativ unbekannten Berge des Kreibitzer Gebirges hatten es mir angetan, welche bis dato kaum irgendwo im Internet beschrieben worden und lediglich Erwähnung in historischer Literatur wie Dr. Hantschels „Nordböhmischen Touristen-Führer“ fanden. Vor 10 Jahren bestand das Lausitzer Gebirge noch hauptsächlich aus dichten Wald. Vornehmlich wechselten sich Buchen und Fichten ab. Weite Aussichten waren rar gesät. Meist begegnete man mehr Wildtieren als Wandersleuten.
Unvergesslich ist mir ein Erlebnis auf dem Gipfel des Berges „Schindelhengst“: Nach Aufstieg auf einer kleinen Felsklippe konnte ich ganz in Ruhe eine grasende Rotwildherde beobachten, die es sich nur wenige Meter unterhalb von mir gemütlich gemacht hat und meine Anwesenheit entweder nicht bemerkte oder ignorierte. Solche Erlebnisse sind für mich der Inbegriff des schönen Lausitzer Gebirges!
Wenige Hotspots, viel Ruhe
Natürlich gibt es nicht nur die ruhigen Ecken. Tannenberg, Kaltenberg, die Burg Tollenstein, der Hochwald mit seinen beiden Bergbauden und als Gipfel Nr. 1 die Lausche sind zurecht viel besuchte Punkte. Und die meisten Leser dieses Blogartikels werden vermutlich schon mindestens einmal dort gewesen sein.
Auch das Zittauer Gebirge gehört als geologischer und naturräumlicher Bestandteil zum Lausitzer Gebirge dazu. Ich würde es dennoch etwas separat sehen, da diese schöne Sandsteinwelt auf kleinen Raum ähnlich der Sächsischen Schweiz zur Erkundung mehr Zeit beansprucht und einen etwas anderen Charakter hat, sowie wesentlich stärker touristisch erschlossen ist, als die hügeligen Waldgebiete zwischen Kreibitz (Chribska) und Zwickau (Cvikov).
Ortschaften wie Kreibitz, Kittlitz-Hillemühl oder Morgentau sind voller schmucker Umgebindehäuser und haben ihren ganz eigenen Charme. Hühner rennen auf der Straße herum, Tassen hängen zu Dutzend auf den Zaunspfählen. An jeder Ecke lauert ein Kruzifix oder eine kleine Kapelle – Relikte aus der katholischen Zeit der deutschsprachigen Bevölkerung vor 1945. Auch die Bunker der „Schöberlinie“ tauchen an den einsamsten Orten auf –weitere Relikte der Vergangenheit, die aufgrund der aufflammenden Kriege in aller Welt zur Andacht anregen. Manche Grundstücke sind auch etwas rumplig mit irgendwelchen alten Karossen „verziert“. Auch, wenn sie von Dresden nur 90 min. entfernt liegen, so finde ich, kann man hervorragend in diesen beschaulichen Örtchen für ein paar Tage abschalten. Man hat einfach den Eindruck, als würden die Uhren dort etwas anders ticken und muss nicht lange suchen, um irgendwelche Kuriositäten zu entdecken.
Abwechslungsreich sind auch die geologischen Strukturen: Basalt wechselt sich rege mit Phonolith und Sandstein ab. An manchen Berghängen sind Blocksteinhalden zu finden. Zum Glück hat hier der Mensch nur in geringeren Maße eingegriffen. Lokale Steinbrüche sind an vielen Stellen zu finden, aber haben nicht annähernd diese Dimension wie im Böhmischen Mittelgebirge erreicht, wo ganze Berge weggebaggert werden. Auch das macht das Lausitzer Gebirge zum Ruhepol.
Problemfall Wald
Nun möchte ich der Schwärmerei aber ein abruptes Ende setzen und keinesfalls verschweigen, dass das Lausitzer Gebirge in den letzten Jahren mit dem Fichtensterben auch eine krasse Veränderung erfahren hat. Die Fichte hatte bis vor wenigen Jahren einen Anteil von über 50 %. Aufgrund flächiger Kalamität wurde immens viel abgeholzt. Das hat jetzt dazu geführt, dass Rund ein Drittel des eigentlichen Waldgebietes zu Offenland mutiert ist. Man brauch sich nur mal die Luftbilder ansehen und vergleichen… Die Forstwege sind glücklicherweise weitgehend begehbar, da die Wälder aktiv von „Lesy CR“ bewirtschaftet werden. An vielen Stellen haben sich gänzlich neue Ausblicke und Ansichten ergeben. Häufig hat man im mittleren bis unteren Bereich der Berge eine „bessere“ Fernsicht als auf dem Gipfeln selbst, da oben tendenziell naturbelassenere Mischwälder dominieren. Mit den großflächigen Kahlschlägen ist man bei Wanderungen deutlich stärker Wind und Wetter ausgesetzt. Im Sommer sollte man die Sonnencreme nicht vergessen. Großteils versucht der staatliche Forstbetrieb Mischwald aufzuforsten. Das gelingt aufgrund Wildverbiss und schnellerer Austrocknung des Bodens nur bedingt. Diese Wunden einer stellenweise lichten Waldwüste sind jetzt allgegenwärtig und trüben ganz sicher auch ein wenig das „Naturerlebnis“. Apropos Wild: Mir sind deutlich seltener Tiere begegnet als erwartet. Vielleicht ein Nebeneffekt der Dezimierung des Waldes?
Herausforderung 50 summits
Mit Erklimmung des Weberberges am 07.04.2026 war ich dann lt. Auskunft von Herrn Hornig der 11. Kandidat, welcher die 50 summits im Lausitzer Gebirge bestiegen hat. Die Liste ist seit 2022 im Umlauf und jeder Absolvent erhält eine schön gestaltete Urkunde samt exklusiven Pin für Jacke oder Rucksack vom Initatior.
Klar ist – und das kennen alle die häufiger im Gebirge unterwegs sind: Die höchsten Berge sind nicht immer die interessantesten. Der fünfzighöchste Berg ist 590 m hoch und es gibt natürlich kleine Gipfel, die zwar niedriger aber höchst lohnenswert zu besteigen sind, z.B. Rollberg (Skalka), Himmertschberg (Wowczakuv vrch), Noldefelsen (Jehla), Steingeschütte (Siroky vrch), Pfaffenstein (Popova skala) – um nur einige zu nennen. Und wo Berge sind, da gibt’s auch schöne Täler. Kein geringerer Fluss als die Kamnitz bezieht ihr Quellwasser aus dem Herzen des Lausitzer Gebirges.
Wer die Herausforderung annehmen und systematisch die 50 höchsten Berge des Lausitzer Gebirges erklimmen möchte sei gewarnt: Auf den ein oder anderen Berg führt schlichtweg kein sichtbarer Weg und die Besteigung erfolgt „on sight“. Auf den meisten Gipfel ist kein Gipfelbuch und manche sind wirklich nur zum Abhaken. Das muss man wollen… Als Entschädigung ist man aber oftmals ganz allein da oben. Fast immer sind es aber spannende Exkursionen, auf denen man immer auch überraschende oder interessante Dinge entdeckt, wenn man mit offenen Augen entlangläuft.
- Mittenberg (Stredni vrch) bei Preschkau im Juni
- Kirche in Polevsko (Blottendorf)
- Blick vom Hang des Bornberges
- kleiner Teich nördlich vom Kleis
- Waldbild
- Basaltsäulen am kleinen Eibenberg
- An einer Quelle
- Blick vom Blottendorfer Berg
- Bunker der Schöberlinie
- Großes Denkmal I. WK am Kühlberg
- Fernblick vom Kühlberg
- Verstecktes GB am Schäferberg
- Baumliebe
- Krötenwanderung
- Bier & Buse
- Kirche in Teichstatt (Rybniste)
- Kapelle bei Röhrsdorf (Svor)
- Sandsteinfelsen bei Morgentau (Rousinov)
- Relief
- Waldwunden
- Wasserfall bei Morgentau (Rousinov)
- Kahlschläge
- Waldbild heute
- Windmühle Světlík bei Obergrund (Dolni Podluzi)
- Blick zum Hochwald vom Plissenberg (Plesivec) bei Krompach
- Kirchen in Parchen
- Bei der Rübezahlbaude
- mein 50. Gipfel
- Da weiß man, dass man ganz oben angekommen ist.
Tipps: Mit mapy.cz kann man grundsätzlich gut navigieren und es enthält viele nützliche Hinweise. Aber manchmal fehlen auch ein paar Wege, was an Kreuzungen schon zu etwas Verwirrung führen kann, wenn von 4 Wegen nur 2 eingezeichnet sind. Auch die Wegemarken entlang touristischer Routen sind infolge forstlicher Eingriffe manchmal nicht eindeutig. Als Papierkarte hat sich jene von „Geodezie on line“ bewährt:
Ergänzend können zur individuellen Routenplanung noch die online-Karten vom Forst oder Openstreetmap hinzugezogen werden
https://geoportal.gov.cz/web/guest/map
https://www.openstreetmap.org/
Informationen zum Lausitzer Gebirge und Quelle Nr. 1 im Internet die Website von Jiří Kühn (der kennt wirklich jeden Winkel und war längst auf allen Bergen oben)
http://www.luzicke-hory.cz/lausgeb.html
Unterwegs empfiehlt sich Rucksackverpflegung. Parkplätze sind meist kostenlos und außerorts nicht gesondert ausgewiesen. Man kann weite Teile auch mit der Semmeringbahn erreichen, zwischen Rumburk und Novy Bor.
Generelles zum Lausitzer Gebirge und den 50er-Liste
– Ausdehnung = CHKO Lužické hory 270 km² auf tschechischer Seite plus ca. 50 km² Zittauer Gebirge auf deutscher Seite
– historische Untergliederung in Kreibitzer Gebirge, Zwickauer Gebirge und Zittauer Gebirge
– die geologische Abgrenzung zum Böhmischen Mittelgebirge bei Steinschönau ist fließend und weniger scharf, so wurden Herrenhausfelsen und Kühlberg noch mit hinzugerechnet, welche streng genommen zum Landschaftsschutzgebiet „Ceske stredohori“ zählen. Beide Punkte wurden historisch traditionell eher in Verbindung mit dem Lausitzer Gebirge gesehen. Auch die Bürgstein-Schwoikaer Schweiz südlich von Haida (Novy Bor) wird laut manchen Quellen dem Lausitzer Gebirge zugerechnet. Die Grenzen sind nicht immer so eindeutig






































Danke für diesen sehr schönen Beitrag. Das Gebiet und die Berge lohnen sich wirklich. Hier waren wir als Zittauer schon zu DDR-Zeiten unterwegs, teils schwarz über die Grenze. Mein Aussichtsberg-Favorit ist der Kleis, oben schon irgendwie alpin, 360-Grad-Rundumsicht, im Westen ist die Sächsische Schweiz zu sehen, und im Osten die Schneekoppe in 82 Km Entfernung! Dazu interessante Blockhalden. Am Goldberg die berühmten Basaltsäulen, kleiner Tip: direkt daneben der Silberberg ebenfalls mit Sicht bis zur Sächsischen Schweiz. Auch am Mittenberg. Und an vielen weiteren Bergen gibt’s interessante Phonolitsäulen, wie am Gr. Ahrenberg. Auch zwischen den Bergen sind viele sehenswerte Stellen, z.B. der Herdstein, die Schwefelquelle, der große Wackelstein südlich vom Friedrichsberg, das Felstor Milštejn, und östlich vom Kaltenberg das Naturschutzgebiet Liska, wo im Mai immer die Mondviolen (Lunaria rediviva) blühen. Hier kann man ein Leben lang unterwegs sein, ohne daß es langweilig wird.