Uttewalder Nebenwege und ein Engelchen

Abstieg Uttewalder Grund

Abstieg Uttewalder Grund

Am Donnerstag war mal wieder der Uttewalder Grund fällig. Ich war schon über einen längeren Zeitraum nicht mehr da. Und auf alten Wanderkarten leuchteten noch ein paar Pfade und Seitentäler, welche ich noch nicht kannte. Generell ist das Areal zwischen Rathewalde, Uttewalde und Wehlen ein abenteuerliches Gebiet. Auf engem Raum schneiden sich zahlreiche Täler in die Felsen. Hinzu kommen viele unmarkierte Aufstiege mit alten Steiganlagen. An touristisch überlaufenen Tagen lassen sich problemlos ruhige Runden stricken.

So ging es am Donnerstag erstmal von Uttewalde gelb markiert hinab in den Schleifgrund. Schon beim Abstieg der ersten Stufen war das stimmungshafte Bild in den Felsengrund mit der eindringenden Sonne und dem frischen Maigrün ein Genuss. Ich muss dazu schreiben: Am Vortag war ich in der Dresdener Heide unterwegs – allein der Blick in den Grund war lohnender als 6 Stunden DH.

Unten angekommen ging es links weg, in nördliche Richtung durch den Schleifgrund. Brückwaldweg queren, weiter auf dem Nicolaiweg. Rechts mündet der Kehllochweg ein, da komme ich später dazu. Der nächste Grund, welcher rechts einmünded ist der Hirschgrund. Auf manchen Karten auch Hirschgraben genannt. Der gut begehbare Pfad schlängelt sich entlang des Waldflüßchens. Ein weiterer Beweis für diese abwechslungsreiche Ecke der Sächsischen Schweiz. Über den Wolfsteig kommt man letzlich auf der Basteistraße heraus. Rechts könnte man über den Wolfsbergweg Richtung Zscherregrund oder Basteigebiet wandern. Ich wollte mir aber noch den weiter östlich gelegenen Krötengrund anschauen. Der Zugang war etwas wild, denn ich wollte nicht unbedingt auf der vielbefahrenen Raserstrecke zwischen Lohmen und Rathewalde latschen. Der Krötengrund war dann nicht ganz so interessant, aber auch hier führt ein Pfad hinab zum Nicolaiweg.

Tafelstandort

Tafelstandort

Als nächstes stand eigentlich der Weg durch das Kehlloch auf dem Programm. Eine alte Holzschranke markiert den Weg. Aber gleich nach wenigen Metern zog ein weiterer Taleinschnitt die Aufmerksamkeit auf sich: Die Schleifgrundtelle. Ein schmaler Pfad führt relativ problemlos einige Meter aufwärts. Geradehin erscheint ein interessantes Felsgebilde, was in der Mitte einen kleinen Überhang bildet. Das musste ich mir mal genauer anschauen – und siehe da: Auf der Rückseite finden sich Initialen (H.G. F.R.), ausgeschlägelte Griffe und eine Vorbereitung für eine Inschrift bzw. Holztafel. Mal schauen, ob sich dazu etwas herausbekommen lässt.

Nach diesem Abstecher ging es nun weiter durch das Kehlloch. Das ist ein alter, aufwändig angelegter Forstweg oberhalb eines Bachlaufes. Dafür, dass er kaum mehr touristisch bzw. forstwirtschaftlich genutzt wird, ist er ziemlich breit. Nach kurzer Zeit steht man vor einem recht frischen Felssturz. Hier ist eine erhebliche Menge Felswand abgerutscht. Die Stelle lässt sich aber problemlos durchqueren und macht den Weg nicht uninteressanter 😉 Letzlich erreicht man über eine Kehre den Forstmeisterweg. Nun ging es für mich weiter bis zur Basteistraße. Nächstes Ziel sollte das Bastei-Engelchen sein, welches leider in der Kernzone eingesperrt ist. Wegbeschreibungen gibt es im Netz ja bereits zuhauf. Also möchte ich an dieser Stelle mal Meinholds Führer durch die Sächsisch-Böhmische Schweiz aus 1910 zitieren:

Engelchen

Engelchen

„Empfehlenswert ist von hier der Abstecher nach dem Blanken Horn (24 Min. hin und her). Der Basteistraße nach links folgen (1 Min.). Kurz hinter Kilometerstein 5,9 gehen rechts zwei Wege ab; man wähle den linken von beiden (Schneise) bei Sicherheitsstein 10. Nach 2 Min. an einem rechts abbiegenden Fußwege vorüber. Sicherheitsstein 9 und 8 folgen. Nach 5 Min. links ab; etwa 5 Min. bis zu dem Felsvorsprunge auf dem Blanken Horn, der uns ein majestätisches Waldgemälde zeigt; man blickt hinab in die furchtbare Tiefe des Amselgrundes, sieht wohl auch, wenn es der Zufall will, die weiß schäumende Masse des Amselfalles; mehr rechts zeigt sich die gewaltige, schroff aufsteigende Felsenmasse des Honigsteins mit der Lokomotive, dahinter die Brandfelsen.“

Ich hatte zwar noch nicht allzu viele Kilometer auf der Uhr, aber der Tag neigte sich langsam dem Ende. Und nachdem sich mein Pausenbrot unerreichbar in einer Felsspalte verabschiedete kehrte ich den Rückzug an (..wer die Käsesemmel im Amselgrund findet, darf sie behalten..).

Der Rückweg führte über das Kohligt. Ein stiller Waldpfad. Nicht ohne dem Kohligthorn noch einen Besuch abzustatten. Man hat hier zwar keine Aussicht, aber irgendwie doch ein spezieller Ort. Über alte verfallene Holzstufen geht es abwärts in den Zscherregrund, und gleich anschließend wieder hinauf, hinab und hinüber nach Uttewalde.

Tipp: Empfehlenswert ist neben Rolf Böhms Karte vom Basteigebiet auch die Karte von 1924, online verfügbar in der Deutschen Fotothek
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70402151/

Tourengalerie: Uttewalde-Schleifgrund-Hirschgrund-Wolfsteig-Krötengrund-Nikolaiweg-Schleifgrundtelle-Kehllochweg-Sandweg-Wolfsbergweg-Blankes Horn-Kohligtweg-Knotenweg-Kluftsteig-Uttewalde

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