Berggießhübler Runde

Vergangenen Sonntag durfte ich mal wieder eine kleine Runde um Berggießhübel führen. 50 % der Wanderfreunde kannten die Ecke bereits ganz gut, deshalb musste natürlich auch wieder etwas Neues eingebaut werden. Das war diesmal der Cottaer Busch mit seinen kleinen „Merkwürdigkeiten“ am Wegesrand. Für die anderen war die gesamte Runde ziemliches Neuland. Umso verwunderlicher, was es am Rande der Sächsischen Schweiz noch so zu entdecken gibt.

Los ging es frei Haus, einmal quer durch die Stadt Berggießhübel, bei der Kurklinik hinauf zu den Zehistaer Wänden. Die haben wir allerdings nur kurz tangiert um dann in den Cottaer  Busch abzuschweifen. Leider bieten die Zehistaer Wände heutzutage an fast keiner Stelle mehr eine Aussicht auf die Stadt. Hoch aufgeschossene Birken und Kiefern stehen dem im Wege. Ich will mich darüber aber nicht beschweren. Denn ein intakter Mischwald könnte künftig in Hinblick auf den zerstörerischen Borkenkäferfraß ein Garant für Erholungssuchende „Waldmenschen“ sein. Gesunde Wälder gibt es hier im Gegensatz zum Nationalpark noch genügend.

Im Cottaer Busch

Kanapee

Kanapee

Auf einen schmalen Pfad biegen wir rechts ab, vorbei an zwei Steinmännchen. Das erste Kuriosum ist eine ausgehauene Felsbank, das sogenannte Kanapee. Über die Entstehung ist mir leider nichts bekannt. Vermutlich steht es mit der Romantikerzeit Ende des 18. Jh. in Verbindung, wo auch die Gersdorfer Ruine entstand. Als nächstes kamen wir am Eschwege-Gedenkstein vorbei. Lt. Recherche von Christoph Bieberstein (link) wurde dieser imposante Bau für einen hochrangigen Major und Rittergutsbesitzer „von Eschwege“ aufgestellt, der im 1. Weltkrieg umkam.

Wir durchqueren weiter das Waldgebiet und kommen auf einen alten Fahrweg zwischen Cotta, Gersdorf und Ottendorf heraus. Hier findet man sowohl auf dem Weg, als auch auf den Feldern rechts des Weges ungewöhnliche Steine, welche man eher an der Ostsee vermutet. Feuersteine und andere Steine nordischer Herkunft. Vor ca. 350.000 Jahren gab es während der sog. Elster-Kaltzeit eine großräumige Vergletscherung Norddeutschlands. Und genau hier war die Grenze, bis wohin das Wasser vordrang. Sozusagen Strand. Die Steinchen zeugen davon und lassen diesen langen Zeitraum irgendwie lebendig erscheinen. Ganz nebenbei hat man einen netten Blick auf Dresden, Pirna und die Berge um Pulsnitz/Ohorn im Hintergrund.

Nächstes Ziel am Wegesrand ist der Bettelstein. In der Berggießhübeler Chronik von Siegfried Fischer heißt es dazu: „Auf ihm sind zwei Kreuze eingemeiselt, die die Flurgrenze von Ottendorf markieren. Nach der Sage sollen auf ihm Bettelmönche zu den vorbeiziehenden Wallfahrern gepredigt haben. Nach einer anderen Sage hat hier die Ottendorfer Kirchgemeinde im Dreißigjährigen Kriege im Walde versteckt ihren Gottesdienst gehalten. Dieser Stein wurde angeblich auch von Pilgern auf dem Weg nach Mariaschein für die Andacht genutzt. Er liegt auf einer der Routen des mittelalterlichen Kulmer Steiges, die heute praktisch vergessen sind.“

An mehreren Stellen sind Ausschlägelungen zu sehen und an der überhängenden Stelle befindet sich auf der Felsoberfläche eine Vertiefung mit einer Rinne, die mutmaßlich für einen Taufstein spricht? Das sind nur meine Mutmaßungen. Jedenfalls sieht dieser einsame Felsen mitten im Wald schon sehr mythisch aus und lässt der Fantasie freien Lauf…

Gersdorfer Ruine

Gersdorfer Ruine

Gersdorfer Ruine

Nach diesem Zick-Zack-Lauf sind wir an unserem Mittagsplatz angekommen, der Gersdorfer Ruine. Auch wenn meinen Mitwanderern dieses Bauwerk von der Statik her nicht ganz vertrauenswürdig erscheint, konnte ich Sie doch überzeugen, unsere mit Glühwein angereicherte Mittagspause da drinnen zu verbringen. Schließlich steht das Gewölbe schon seit über 200 Jahren. Wieso sollte es ausgerechnet jetzt einstürzen? ; -) Diese künstliche Ruine wurde um 1800 vom Freiherr von Leyßer angelegt. Damals befand sich noch ein Turm darauf, von welchem die Besucher eine viel gelobte Aussicht genossen. Von Ludwig Richter existiert sogar eine Radierung von dieser Aussicht. Leider hat damals niemand das gesamte Bauwerk festgehalten, sodass heute die alten Beschreibungen nur schwer vorstellbar sind. [edit: Habe eine lithographierte Ansichtskarte von 1900 im Netz geschossen, da sieht man zumindest im Ansatz noch das obere Plateu und wie freistehend die Ruine ist!]

Gersdorfer Brüche, Jagdstein und Brand

Versteinerung

Versteinerung

Nach ausgiebiger Mittagsrast ging es weiter über die Sandsteinbrüche oberhalb Gersdorf, wo man auch ganz schicke Versteinerungen entdecken kann. Weiter zum Jagdstein, welcher eine gute Aussicht über Gersdorf bietet. Das folgende Waldstück heißt „der Brand“ und dieses beherbergt auf seiner Ostseite zwei Kletterfelsen, sowie einige abenteuerliche Spalten und Felsüberhänge. Von da aus liefen wir Richtung Bad Gottleuba OT Giesenstein hinab ins Gottleubatal und über den geschichtsträchtigen Poetengang zurück nach Berggießhübel. 12-13 Kilometer mit nur einem nennenswerten Anstieg beließen die Tour relativ gemütlich.

Auch wenn ein berühmter Kartenmaler* dieser Region die Zugehörigkeit zur Sächsischen Schweiz abspricht, kann sich jeder selbst ein Bild von den Osterzgebirgischen Elbsandsteinüberresten machen 😉
Den Track findet ihr bei mapy (link)

*Dr. Rolf Böhm hat vor kurzem in einem Beitrag auf seiner website (link) die Sächsische Schweiz in Grenzen gefasst, und obiges Gebiet dem Osterzgebirge zugeschlagen. Das durchwanderte Gebiet wird ja auch dem LSG (Landschaftsschutzgebiet) Osterzgebirge zugerechnet. Ich kann gut akzeptieren, dass irgendwo Grenzen gezogen werden müssen. Diese Außenseiterrolle hat ja auch Vorteile. Wenn im Nationalpark und LSG mal wieder ein nächtliches Betretungsverbot verhängt wird, kann man ganz beruhigt bei uns boofen. Äußerlich Sandstein, im innern Erzgebirge und rundherum bisschen Ostsee. Was will man mehr?

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