Alte Pfade und vernebelte Aussichten

gruselige Stimmung bei der Kontrollor-Wiese

gruselige Stimmung bei der Kontrollor-Wiese

Am Sonntag verschlug es mich in die Gegend um Schmilka/Hrensko. Einerseits um eine schöne Runde zu wandern. Und andererseits noch ein paar schöne letzte Herbstimpressionen einzufangen. Das Laub auf den Bäumen ist nach meinem empfinden erst die letzten Tage so richtig bunt geworden. Ungewöhnlich spät – dem milden und sonnigen Oktoberwetter geschuldet. Es sollte ja eigentlich ein sonniger Tag werden. Eigentlich. Nur da haben wir die Rechnung ohne dem Elbtalnebel gemacht. Der Regen vom Vortag sowie die kühle Nacht haben für fetten Morgennebel gesorgt. Zuhause schien vom Aufgang an die Sonne, doch in Königstein ging es hinein in den Dunst. Ich war kurz vor dem umdrehen und umplanen. Aber letztlich hatte ich mir diese Tour fest vorgenommen. Ich wollte unbedingt mal wieder einen meiner Lieblingspunkte im Elbsandstein einen Besuch abstatten: der Silberwand. Irgendwann ab Mittag würde sich der Nebel doch bestimmt auflösen…… tja, Pustekuchen. Null Wind ließ den Nebel einfach den ganzen Tag nicht verschwinden. Die Obergrenze lag aber zwischen 400 m und 450 m, und so war zumindest immer mal kurzzeitig die Sonne zu sehen. Außerdem bin ich oft genug bei Sonne unterwegs, da finden sich im Nebel ganz andere Motive.

Silberwand

Silberwand

Die Silberwand ist ein markantes Felsmassiv unmittelbar an der Grenze D/CZ. Grob gesagt, zwischen Kipphorn und Prebischtor. Von Schmilka aus muss man schon etwas pfadfinderisch unterwegs sein, um den Zugang zu finden. Einfacher kommt man von Hrensko (Prebischtorparkplatz) heran, über den Grund der Dürren Biele. Das ist ebenso offizieller Kletterzugang, wenn auch schwach markiert. In mehrfacher Hinsicht ist die Silberwand spannend: Im 15./16. Jh suchten hier sogenannte Walen nach Gold, Silber und Edelsteinen. Entlang der Wände finden sich mysteriöse Einritzungen, die Walenzeichen. Bemerkenswert ist auch der Silberwandstollen am Felsfuß. Und oben drauf hat man eine atemberaubende Aussicht. Theoretisch zumindest. Ich stand natürlich im Nebel. Wenn man ringsum keinen Abgrund mehr sieht, hat man weniger Höhenangst und geht näher an die Kante. Ist mir zumindest aufgefallen.

Walenzeichen

Walenzeichen

Der Silberwandsteig führt dann unterhalb der Felswand auf mehr oder weniger sichtbaren Pfad nach Osten, an den oberen Taleinschnitt der Dürren Biele. Leider ist dieser schöne alte Weg aufgrund Forstarbeiten, Jungwuchs und quer liegenden Bäumen nur noch schwer zugänglich. Teilweise endet die Pfadspur abrupt und die Sucherei geht los. Kletterzugangsmarkierungen sucht man vergeblich. Kein Wunder, denn den Großteil der Klettersaison (1.3. bis 31.7.) ist der Weg offiziell aufgrund Horstschutz gesperrt. Und wenn eine gewisse Frequenz fehlt, verschwinden Wege. Weiter geht es entlang den Auerhahnwänden bis zu den Langegrundwänden (teils besser markiert). Schließlich landet man auf dem Fremdenweg. Jenen historischen Wanderweg, welcher bis 1945 einer der meist genutzten Touristenwege war. Er verband den Großen Winterberg grenzüberschreitend mit dem Prebischtor. Der Weg tut das noch heute, nur muss man immer vor einer teuren Begegnung mit dem Ranger gewappnet sein (und ich meine nicht den aus’m TV). Die „böse“ Prebischtoraussicht strafte mich wie erwartet mit Nebel. Oder es war heute einfach geschlossen und zugeklappt? 😉

Nebeltreiben

Nebeltreiben

Nein, im ernst, das brabbelnde Touristenvolk war deutlich genug zu hören. Also ging es wieder den Fremdenweg zurück. Später auf der Grenze, dann über die Grenze auf „sichere“ markierte Nationalparkwege. Zwischendurch ergaben sich immer wieder lichte Momente, mit einer schönen Lichtstimmung. Der krönende Abschluss dieser Tour bildete dann das Kipphorn, wo ich plötzlich noch eine sonnige Aussicht hatte und wie verzaubert über dem Nebelmeer stand. Leicht getrübt von der schieren Masse an sonnendurstigen Wanderern. Ärgerlich, dass das Kipphorn nur eine recht kleine Gipfelfläche hat. Also ging es flinken Fußes nach nebenan. Der Sonnenuntergang über dem Nebelmeer brachte endgültig ein belohnendes Gefühl für die Solotour. Jetzt wusste ich, weshalb ich frühs nicht umgedreht bin…


Ein Kommentar

  1. Tolle Bilder, das hat schon eine mystische Stimmung. Ich bin eine Woche eher dort in der Nähe mit Freunden unterwegs gewesen. Es blies noch dazu recht herbstlich vom Böhmischen herüber.

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