Ruhetour am Rande des Sandsteins

bunte Nesselkombination

Das fantastische frühlingshafte Wetter lockte mich am späten Montagnachmittag noch einmal nach draußen. Die Ecke zwischen Gersdorf, Göppersdorf und Giesenstein war das Ziel. Manche Wege unweit meiner Haustür bin ich seit langem nicht mehr gegangen. Jeder kennt das: Zeitweise verliert man einfach den Blick auf die schönen Dinge, die man unmittelbar vor der Haustür hat. Auch wenn manches auf den ersten Blick nicht spektakulär erscheint. Bunte Frühblüher, Insekten, Schmetterlinge, Vögel, Wildtiere, Wald- und Lichstimmungen… all das gestaltet einen Spaziergang offen. Und dann gibt es Tage, da kommt alles zusammen. So einer war das.

Los ging es am Jagdstein oberhalb Berggießhübel. Hier hat man einen schönen Blick nach Westen zu Geisingberg, Luchberg und Wilisch, sowie Richtung Norden nach Dresden. Am Wegesrand blühen Taubnesseln in allen Farben. Weiter geht es unterhalb des Bergrückens namens Brand. Immer ziemlich am Waldrand entlang. Üppige Mengen an Buschwindröschen kleiden den Boden entzückend weiß. Nach einem guten Kilometer erreicht man offenes Land und Felder. Über ein einsames Gehöft hinweg hat man eine gute Sicht auf Dresden. Ganz in der Nähe klopft es hektisch am Baum. Ein Kleiber pickt sich sein eiweißreiches Abendbrot aus dem Baum. Der Feldweg gewinnt an Höhe und führt bis an den Spitzberg heran. Die sogenannten „Rennpläne“ sind erreicht. Das ist ein historisch interessanter Kreuzungspunkt mehrerer alter Verkehrswege, wo früher Eisen- und Handelswaren transportiert wurden. Die Ortschaften Gersdorf, Göppersdorf, Hartmannsbach, Bad Gottleuba und Berggießhübel sind von diesem Punkt allesamt schnell erreichbar.

Durstlöscher

Ich schlage den westlichen Weg ein. Richtung Göppersdorf. Linkerhand befindet sich das kleine aber feine Felsgebiet der Raabsteine. Unten befindet sich ein kleiner Teich. Beim Online-Kartendienst ist er als „Mellisee“ benannt. Das war mein eigentliches Ziel dieser Feierabendtour. Leider ist der Teich aufgrund Weidevieh eingezäunt. Die Kühe nutzen diesen gleich als Tränke. Krächzende Nilgänse waren unüberhörbar. Und wenig dahinter schlich sich ein Fuchs davon. Hier herrschte also ein reges Treiben. Einige Meter weiter kommt man in den Bereich des Herbstberges. Hier ist der Sandstein zu Ende. Der Untergrund besteht nun aus Turmalingranit. Ein als Reitweg markierter Weg zweigt rechts ab. Plötzlich befindet man sich in einem düsteren Wald. Und es raschelt… ich rechne mit Wildschweinen. Kamera griffbereit. Gehe langsam ein paar Schritte weiter. Plötzlich steht Meister Grimbart höchstpersönlich vor mir. Nur 10 Meter entfernt. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes vertieft beim Wühlen. Kurz blickt er in meine Richtung. Unbeirrt gräbt er weiter. In aller Seelenruhe kann ich Fotos schießen und ein Video machen. Ich bin viel draußen unterwegs, aber diesen nachtaktiven scheuen Tieren bin ich bisher noch nie so Nahe begegnet. In den 2 Fällen, an welche ich mich erinnern kann, hatten mich die Tiere schneller bemerkt und waren bereits am Verschwinden. Ein tolles Erlebnis!

Dachs

Weiter vorn lief mir dann noch ein Reh über den Weg. Das ist schon „normaler“. Nachdem man 800 m an den finsteren Hängen des Herbstberges entlanggelaufen ist, biegt der Weg rechts wieder in offenes Gelände nach Gersdorf ab. Hier hat man noch einmal eine schöne Sicht ins Elbtal. An den schattenreichen Hangwiesen waren noch Schlüsselblume und Wiesen-Schaumkraut auffallend.

Die Sonne war kurz vorm Untergehen, mein Schritt wurde entsprechend etwas schneller. In Gersdorf geht es dann wieder rechts hinauf (gelber Strich) zum Jagdstein. Diese kleine wunderschöne Runde wurde dann noch durch einen farbenfrohen Sonnenuntergang gekrönt. Der Berg Wilisch brannte täuschend lichterloh. Was will man mehr? „Ich ging im Walde so für mich hin, um nichts zu suchen…“ Und dann sowas 🙂

Ein Kommentar

  1. Sehr schöne Bilder., danke.
    Die Gegend kenn ich bisher nur wegen der kleinen Klettergipfel,
    ist offenbar auch ringsherum sehenswert. 🙂

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