Ein Tag im Kreibitzer Gebirge

Fährt man im Nachbarland über Hrensko einmal durch die böhmische Schweiz hindurch, so landet man im Lausitzer Gebirge. Eine ruhige, wasserreiche Gegend mit satten grünen Laubwäldern und bewaldeten Berggipfeln. Die Hügel um den malerischen Ort Krebitz (Chribska) herum wurden früher als Kreibitzer Gebirge bezeichnet. Diese schöne Gegend bietet alles, was das Wanderherz begehrt. Vor allem die geologischen Gegebenheiten bieten sehr viel Abwechslung und herrliche Motive. In den niederen Lagen und Tälern findet man Sandstein. Die Bergkuppen werden hingegen durch Basalt oder Klingstein gebildet. Wir bewegen uns in einem Höhenbereich von 350 m bis 750 m üNN.

In der verträumten Ortschaft Kytlice (Kittlitz) habe ich schon mehrmals Kurzurlaub gemacht. Und ich komme immer wieder gern hier her. Manche Berge sind touristisch erschlossen und teilweise auch gut besucht. Man hat aber nie den Eindruck, dass Gipfel überlaufen sind. Sobald man auf unmarkierte Forstwege wechselt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass einem Gämse oder Rotwild über den Weg laufen, anstatt Menschen. Im Gegensatz zum böhmischen Mittelgebirge sind lärmende Fernverkehrsstraßen weniger ein Thema.

Kreibitzer Berg und ein schönes Waldtheater

Seitenblick

Ausgangspunkt dieser Tagestour war die Weggabelung Forsthaus Kreuzbuche. Zuerst ging es auf den Kreibitzer Berg hinauf, früher auch hoher Himpelsberg genannt. Von mehreren vorspringen Felsriffen (Klingstein) bieten sich herrliche Aussichten auf die umliegenden höheren Berge. Der Gipfel selbst bietet keine Aussicht. Nächstes Ziel war das Waldtheater. Wir folgen der grünen Markierung. Auffallend sind auch hier die massiven Holzeinschläge. Ein beträchtlicher Teil der Wälder bestehen auch aus Fichten und der Borkenkäfer hat leider auch in dieser Ecke arg zugeschlagen. Zum Glück ist der Nadelwaldanteil nicht ganz so hoch, sodass man hier an vielen Stellen den Wald voll genießen kann. Das schöne Waldtheater befindet sich dann schon wieder unten in der Sandsteinzone. Ein alter Steinbruch wurde 1931 dafür umfunktioniert und nach dem Verfall in den Neunzigern wiederbelebt. Auf dem Weg zur Straße kommt man noch an der Schäferhöhle vorbei, einem Felsen, welcher zeitweise Schafhirten als Wohnung gedient haben soll.

Weiter ging es auf recht unspektakulären Waldweg aufwärts Richtung Hasel (Liska). Den Kaltenberg haben wir rechts liegen gelassen, da wir ihn kennen und andere Ziele ins Auge gefasst hatten.

Goldberg, Silberberg und Wüstes Schloss Fredewald

Goldberg

Einer der spektakulärsten Basaltaufschlüsse befindet sich am Goldberg. Was die vulkanische Aktivität hier geschaffen hat ist sehr beeindruckend. Glücklicherweise wurde in den 1960er Jahren der Steinbruchbetrieb gestoppt und der Berg als Schutzgebiet ausgewiesen. So bildet er jetzt zu jeder Jahreszeit ein herrliches Fotomotiv. Von einer Felsklippe am Südhang, Silberberg genannt, hat man einen wunderbaren Ausblick bis in die Sächsische Schweiz hinein. In Begleitung einer Regenhusche laufen wir abwärts, wo es sich leider nicht vermeiden lässt ein Stückchen auf der Landstraße zu laufen. Wir verlieren nun wieder 200 Höhenmeter und steigen hinab ins Kamnitztal. Vorher schauen wir uns noch das Wüste Schloss Fredewald an, welches auf einem Felssporn über der Kamnitz herausragt.

Mittenberg

Unser nächstes Ziel war der Mittenberg, welcher erst einmal in der Landschaft recht unscheinbar aussieht. Mit 593 m ist er auch nicht besonders hoch im Vergleich zu den umliegenden Bergen… Auf dem Weg dorthin waren überall frische Gefahrenhinweise und mit Flatterband abgesperrte Waldwege. Man bewegt sich durch Borkenkäferwald. Wir kennen das Risiko und nehmen es in Kauf. Es gab auch nicht wirklich eine Alternative, denn schließlich mussten wir ja zurück zum Auto. Kurz bevor wir den Gipel erreichten, haben wir eine Futterkrippe als Unterstand genutzt um einen weiteren Schauer durchziehen zu lassen. Das Timing war fantastisch, denn nach dem Regen konnten wir im Sonnenschein die fantastische Aussicht vom Gipfel des Mittenberges genießen (und das Bierchen auch.. 😉

Mittenberg

Ohne große Werbung machen zu wollen – es ist einer der schönsten Aussichtsberge Nordböhmens. Ich könnte dort den ganzen Tag oben sitzen und die herrliche Landschaft genießen. In Kombination mit tief blauen Himmel eine Genugtuung. Eigentlich wollte ich den Herdstein noch mit in die Tour einbauen, aber den Abstecher hatten wir uns aufgrund des drohenden Regens geschenkt. Außerdem waren in dieser Richtung Motorsägen zu hören und auf Diskussionen mit Waldarbeitern hatten wir an diesen schönen Tag keine Lust.

Nach ausgiebiger Gipfelrast traten wir den Heimweg an. Hinab ins Kamnitztal nach Hillemühl. Und auf der gegenüberliegenden Seite hinauf zum Ausgangspunkt. Kurz vor Ende der Tour haben wir uns noch einen schönen Wasserfall angesehen. Die Runde war insgesamt recht lang mit ca. 23 Kilometern und viel Bergauf und Bergab (900 Hm). Aber wir waren alle zufrieden mit dem was wir gesehen haben.

Ich kann nur jedem Naturliebhaber empfehlen, sich mal ein paar Tage in Kytlice eine Unterkunft zu besorgen und in Ruhe die umliegenden Berge und Wälder zu erkunden.

(Wanderung war am 29.05.2021)

 

Ein Kommentar

  1. Der Mittenberg lohnt sich wirklich. Empfehlenswert ist ein Tag mit guter Fernsicht, schon beim Aufstieg ist dann der Lilienstein mit bloßem Auge zu sehen. Am Herdstein hinten rum, auf der Nordseite, sind interessante Basaltformationen. Gegenüber vom Wüsten Schloß Fredewald, am Schieferberg, ist eine schöne Aussicht leicht von oben auf das gesamte Wüste Schloß. Tip zum informieren: die tschechische Seite http://www.luzicke-hory.cz/mista/index.php?pg=zmabcdd (alles auch in deutsch), alle Namen in tschechisch und deutsch, und jeder Berg und jeder Ort ist ausführlich beschrieben, unter Galerie/Panoramabilder auch eins vom Mittenberg.

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