17.07.2021 – Unwetterschäden: Glück im Unglück?

Schäden an der Straße im Zahnsgrund

Die heftigen Regenfälle verbunden mit Sturzfluten am Samstag über der Sächsischen Schweiz haben glücklicherweise zu keinen Schäden an Leib und Leben geführt. Das ist das Wichtigste. In erster Linie sind unterspülte und beschädigte Straßen zu nennen, weil insbesondere kleine Bachläufe und Gräben sehr viel Wasser in kurzer Zeit ableiten mussten, wofür sie nicht ausgelegt sind. Das Wasser floss relativ schnell ab, die Scheitelwelle war kurz, lokal aber durchaus zerstörerisch.

Binnen weniger Stunden sind am Samtagnachmittag 60 bis 90 Liter Regen gefallen, was mehr als einer durchschnittlichen Monatsmenge entspricht.

Polenz und Sebnitz

Abgesehen von den Ortslagen Neustadt und Sebnitz, die durch die immensen Regenfälle teilweise überschwemmt wurden, nahm es für die Gemeinden am Unterlauf der Polenz und Sebnitz einen glimpflichen Verlauf. Trotz höchster Hochwasserwarnstufe der Polenz in Neustadt blieb das Wasser weitgehend im Flussbett. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die Flüsse naturnah durch unbebautes Gebiet fließen und Überschwemmungsflächen haben, bevor sie sich in Rathmannsdorf zur Lachsbach vereinen.

Im Sebnitztal gab es wohl Schäden in der Ortslage Kohlmühle und an der Zugstrecke mit unterspülten Gleisen und Stützwänden. Es ist unklar, wann dort wieder eine Bahn fahren kann.

Kirnitzsch

Lt. offiziellen Daten des Pegels Kirnitzsch in Bad Schandau wurde dort am Samstag um 19.00 Uhr mit 46,4 m³/s und einem Wasserstand von 2,21 m der dritthöchste jemals gemessene Wert in der Messreihe seit 1912 beobachtet (2010,1981). Resultat war eine Bootsfahrt auf der Kirnitztschtalstraße an der Bahn vorbei.

https://www.youtube.com/watch?v=ODmRAGrghsk

https://www.youtube.com/watch?v=_Mtx48HDU24

https://www.youtube.com/watch?v=K-dF2OH4nDM

Schwere Schäden gab es lt. Zeitungsberichten an der Straße zwischen Ottendorf und Kirnitzschtal, die derzeit noch gesperrt ist. Im Kirnitzschtal selbst gab es selbstverständlich (wie jedes Jahr) Hangrutschungen und viel Schlamm und Geröll auf der Straße. Am Ostrauer Berg und im Zahnsgrund wurde die Straße unterspült. Das Becken und die Anlage am Lichtenhainer Wasserfall wurde auch zerstört. Jeder rechte Taleinschnitt zwischen Schandau und Saupsdorf wurde mutmaßlich beschädigt oder ausgespült. Es wird erst eine Weile dauern, bis man einen Überblick darüber hat, welche Wanderwege es betrifft.

Von den Hängen spülte es auch Wasser, Schlamm und Geröll in die Häuser und Gärten von Postelwitz.

Linkselbsiche Täler

Nach Bad Schandau waren die Orte Krippen, Cunnersdorf und Reinhardtsdorf-Schöna auf deutscher Seite am stärksten von den Unwettern betroffen. Am Pegel des Cunnersdorfer Bachs wurde ebenfalls der dritthöchste Wert (seit Messbeginn 1964) beobachtet. Das Waldbad Cunnersdorf wurde vom Bach geflutet. Königstein hatte Glück, dass es im Einzugsgebiet der Biela nicht ganz so hohe Regensummen gab.

Am schlimmsten getroffen hat es offensichtlich Krippen und Schöna. Im Waldgebiet der Zschirnsteine kamen laut Radarsummenkarte im kompletten Einzugsgebiet des Krippenbachs innerhalb 3 Stunden 80 bis 100 Liter pro Quadratmeter herunter.

Der Krippenbach flutete die komplette Ortslage mit brauner Brühe und riss sogar kleinere Brücken fort. Die Videos eines Anliegers habe ich ja schon im vorigen Beitrag verlinkt. Im Oberlauf des Baches auf tschechischer Seite drohte der Mühlteich (Mlynsky rybnik) zu brechen, worauf Feuerwehrleute aus unseren Nachbarland den Teich abpumpen mussten, um wasserseitig Druck und Last zu minimieren. Hier werden sicher auch aufwändige Reperaturen nötig.

https://decinsky.denik.cz/zpravy_region/na-maxickach-u-hranic-hrozi-protrzeni-mlynskeho-rybnika-20210719.html

Der kleine Mühlgrundbach in Schöna wurde ebenfalls kurzzeitig zum breiten Fluss und überschwemmte die Grundstücke der Anlieger.
Hier ein Video dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=__UdVZKZDo8

Ich war dieses Jahr häufiger um Schöna wandern und gerade dieses kleine Tälchen mit den schönen Häusern finde ich besonders reizvoll. Umso bitterer die Eindrücke dieser Flut.

Überall dort wo die Wassermassen steil Richtung Elbe fließen (Hirschgrund, Schiebgrund, Gelobtbachgrund) sind Schäden an Wegen und Grundstücken zu beklagen. Die Niedermühle im Schönaer Hirschgrund ist lt. MDR-Bericht sogar einsturzgefährdet, was mir für den Besitzer und Wirt besonders Leid tut!

https://www.mdr.de/video/mdr-videos/a/video-537862.html

Nicht so stark wie das Hochwasser 2010 – dennoch ein denkwürdiges Ereignis

Nach einer ersten Schadensaufnahme an wichtigen Straßen werden die Schäden auf 3 Millionen Euro beziffert. Hinzu kommen aber noch viele kleine Straßen, Stützmauern, Forstwegen und die Schäden in den Gewässern selbst. Und entlang der wichtigen Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und Decin wurden die Gleise an mehreren Stellen unterspült und von Geröll und kleineren Schlammlawinen verschüttet.

Ich halte mich zurück mit Aussagen wie 25-jähriges Hochwasser, 50-jähriges usw. Regenmengen von >70 l/m² in wenigen Stunden sind jedenfalls selten und an den beiden Pegelmessstellen Bad Schandau und Cunnersdorf erkennt man das die Unwetter vom 17.07.2021 einen bleibenden unrühmlichen Eintrag in die Chroniken oben beschriebener Gemeinden finden werden. Am Unterlauf der Sebnitz und Polenz bzw. am Pegel Lachsbach wurden solche Wasserstände auch schon bei Schneeschmelze und Frühjahrshochwassern erreicht, da passt schon ordentlich was rein in den Fluss.

Es hätte sogar durchaus noch schlimmer kommen können, wenn weitere Gewitterzellen bis in die Nacht hinein über das Gebiet gezogen werden. Auch im Einzugsgebiet der Kirnitzsch um Krasna Lipa/Hinterhermsdorf gab es deutlich geringere Regenmengen. Ab 19 Uhr brach die Gewitteraktivität von Polen her relativ abrupt zusammen, was so um 17.00/18.00 noch nicht vorauszuahnen war. Glück im Unglück.

Vergleiche zur Katastrophenlage wenige Tage zuvor in Westdeutschland verbieten sich, denn dort handelt es sich um ein außergewöhnliches Wetterereignis (Jahrhunderthochwasser), wo es in einem viel größeren Einzugsgebiet hohe Regensummen gab, in der Warnkette aber auch beispiellose Fehler gemacht wurden, welche vielen Menschen das Leben gekostet hat.

Schäden in Tschechien

In Hrensko wurde die Dürre Biela zum schadensträchtigen Fluss. Am Prebischtorparkplatz entstand ein Graben, was vielen parkenden Fahrzeugen zum Verhängnis  wurde. In der Ortslage Hrensko spülte es Geröll und Schlamm auf Straße und Grundstücke.

In Dolni Zleb gab es erhebliche Schäden an Straße, Kanalisation usw. Einen Eindruck von den Wassermassen bekommt man in diesen Video

https://www.youtube.com/watch?v=rKolmY-6PsA

Bild von der oberen Kneipe
https://decinsky.denik.cz/galerie/povoden-ponicila-ve-hrensku-cervenec-2021.html?photo=1&back=1198216394-354-8

Decin vermeldet auch viele Schäden, vor allem im Ortsteil Bela, wo das Wasser von den steilen Hängen herunterschoss.

Schlimm getroffen hat es die Gemeinden Lobendava  und Dolni Poustevna im „Schluckenauer Zipfel“ hinter Sebnitz. An der offiziellen Wetterstation fielen 130 l/m² innerhalb 24 Stunden, allein 90 l/m² zwischen 14 Uhr und 18 Uhr.

Video Dolni Poustevna

https://www.youtube.com/watch?v=J_FSHTsEA8M
https://www.youtube.com/watch?v=RjRPCvz-bVQ

Entsprechend stand nahezu die gesamte Ortslage unter Wasser. Das Terrain ist nicht ganz so gebirgig wie im Elbsandsteingebirge, daher lief das Wasser mehr in die breite, der Wiesenbach (Lucni potok) wurde zu einer riesigen Wasserfläche.  Allein da stand in 34 Häusern das EG unter Wasser. Ein Pflegeheim musste evakuiert werden. Brücken wurden beschädigt, min. 2 müssen neu gebaut werden. Bei 15 anderen wartet man noch auf die statischen Gutachten.

https://decinsky.denik.cz/zpravy_region/povodne-skody-decinsko-20210721.html

Kurios in diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass erst am 1. Juli einige Häuser in Lobendava durch den Bruch eines Biber-Damms unter Wasser standen, was ja sicher auch nicht so häufig passiert.

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In allen betroffenen Gebieten läuft weiter die Schadensaufnahme. Es gab offensichtlich weder in Sachsen noch in Tschechien Personenschäden, was gute Arbeit der Feuerwehr, Erfahrungen mit vorangegangenen Hochwasserereignissen und umsichtiges Verhalten der Menschen zu verdanken ist. Auch die Tageszeit spielt da eine Rolle, im Tageslicht ist es wesentlich einfacher zu Händeln als Nachts.

Meine Vermutung ist, dass viele kleinere Schäden noch nicht bekannt geworden sind. Beim wandern in den oben genannten beeinträchtigten Gebieten muss man sich auf Probleme einstellen. Falls euch Schäden an Wanderwegen oder anderes in dem Zusammenhang auffällt, könnt ihr es gern berichten oder auch im Wegeforum der IG Stiegen- und Wanderfreunde melden. Z.b. könnte einer der schönsten Wege des Elbsandsteingebirges – der Gelobtbachgrund – erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden sein und eventuell auch das Becken und der kleine Wasserfall zerstört sein.

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